KÖLN. Am 1. November tritt er Kasper Königs Nachfolge am Museum Ludwig an, und zur Zeit ist Philipp Kaiser in Köln "gewissermaßen inkognito auf Wohnungssuche". Noch wohnt er in Los Angeles, wo er leitender Kurator des Museum of Contemporary Art (MOCA) ist.
Heute trifft er sich mit den Kollegen der neuen Arbeitsstätte, um erste Pflöcke fürs Ausstellungsprogramm einzuschlagen. Dort endet mit der bis 3. Februar 2013 laufenden David-Hockney-Schau endgültig Königs zwölfjährige Regentschaft. "Natürlich habe ich mich jetzt hier mit Kasper König getroffen", erklärt Kaiser dieser Zeitung, "ich war im Museum, wo sich ,Vor dem Gesetz', Cosima von Bonin und der Olesen-Ankauf wunderbar stimmig ergänzen."
Kein Grund für Berlin-Paranoia
Programmatische Details will der 1972 in Bern geborene Museumsmann noch nicht nennen, auch nicht im öffentlichen Gespräch in der "Monopol"-Lounge auf der Art Cologne. Nach deren Direktor Daniel Hug ist dies schon der zweite Schweizer, den es von L.A. an den Rhein zieht - Zufall? "Es gibt schon eine gewisse Logik in dieser Transatlantik-Brücke", meint Kaiser, "wenn man sich den amerikanischen Schwerpunkt des Museums Ludwig anschaut".
Er möchte "die ganze Pop-Art mal aus dem Keller holen und neu einordnen", interessiert sich aber auch für die Kunst der 80er und 90er Jahre. Von Moderator Daniel Völzke nach einer Leitlinie der Arbeit befragt, sagt Kaiser: "Ich möchte die Besonderheit des Museums nutzen, ohne mir von der Sammlung das Programm diktieren zu lassen." Dennoch dürfe man das "Tafelsilber" des Hauses keinesfalls außen vor lassen.
Kaiser schweben neue Ausstellungsformate vor, auch will er wichtige Künstler wie Gerhard Richter, Rosemarie Trockel oder Phil Collins nicht nur ins Programm, sondern auch in Entscheidungen einbinden. "Der Etat bleibt der gleiche", erklärt er, "das ist natürlich gut für Ankäufe".
Der neue Mann kennt beide Systeme: städtische Museen und privat getragene wie das MOCA. Letztere seien zwar flexibel und oft personell besser ausgestattet, "zwingen die Kuratoren aber auch zu virtuosen Spielen mit den privaten Mäzenen". Etwa wenn letztere mit "Teilschenkungen" ihrer Werke Steuern sparen wollen. Den Bildungsauftrag hiesiger Museen schätzt er durchaus und sieht unter dem neuen MOCA-Leiter Jeffrey Deitch ("der hat jetzt schon zum dritten Mal den Schauspieler James Franco eingeladen") einen Hang zur Trivialisierung und Hollywood-Anbiederei.
Kaiser ist klar, "dass es auch in Köln gewisse Erwartungen an die Besucherzahl gibt, aber man kann Blockbuster nicht aus dem Hut zaubern". Das Kunstpublikum der Domstadt scheint ihm durch Museen und Kunstverein bestens informiert, die Kulturpolitik "komplex und kryptisch - ich höre jeden Tag neue Sachen". Am Museum Ludwig mag er "die tolle Lage, die Architektur - auch wenn das Treppenhaus ein wenig monumental ist". Die Art Cologne hat er einige Jahre geschwänzt, "dass wir jetzt hier sitzen, zeigt schon, wie viel sich verändert hat".
Überhaupt könne das Kultur-Kraftwerk Rheinland "die ganze Berlin-Paranoia" ignorieren - "wir haben keinen Grund zum Jammern".
