GAG-Vorstand Jürgen Noppel und der Präsident des SCB Viktoria Köln, Winfried Pütz, sind wieder frei. Noch in der Nacht nach ihrer vorläufigen Festnahme konnten sie ebenso wie zwei vorläufig festgenommene Unternehmer wieder nach Hause gehen. Die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft keinen Haftbefehl beantragte, werteten die Anwälte der Beschuldigten als „Indiz dafür, dass die Ermittler nicht viel in der Hand haben“. An den Vorwürfen sei nichts dran gewesen, was diesen Riesenaufwand gerechtfertigt hätte, sagte Noppels Anwalt Dietmar Müller. „Wir warten entspannt die weiteren Ermittlungen ab“, so GAG-Anwalt Ulrich Sommer.
Pütz’ Anwalt Ingo Lindemann erklärte, dass sein Mandant sämtliche Vorwürfe der Staatsanwaltschaft entschieden zurückweise. Richtig sei lediglich, dass eine Vielzahl von Kölner Unternehmen den SCB Victoria durch Werbemaßnahmen unterstützt hätten. Die Abwicklung durch den Verein sei in „jedem Einzelfall“ korrekt und transparent erfolgt: „Irgendwelche Vorteile wurden den Unternehmen dabei in keiner Weise zugesagt.“
Noppel selbst und sein Vorstandskollege Burkhard von der Mühlen wollten sich gestern nicht mehr persönlich äußern. Nach der Rückkehr von Noppel an seinen Arbeitsplatz am Blaubach sei der GAG-Vorstand wieder voll arbeitsfähig, hieß es in einer Mitteilung. Zusammen mit der Belegschaft feierte er im Geißbockheim den 90. Geburtstag der GAG.
Als weiteres Indiz für die möglicherweise dünne Beweislage der Ermittler wird im Kreis der Anwälte die Tatsache gewertet, dass man einer konkreten Beschuldigung in der anonymen Anzeige aus dem Sommer 2002, die alles ins Rollen brachte, keine Durchsuchungsaktion folgen ließ. Neben Noppel, Pütz, der Firma Fliesen Garweg und einem Grubo-Prokuristen wird auch CDU-Fraktionschef Rolf Bietmann genannt. Bietmann, Ex-GAG-Aufsichtsratschef und Ex-Verwaltungsratschef bei Viktoria Köln, habe zusammen mit Noppel und Pütz von den Firmen, die für GAG und Grubo arbeiten, sowohl „Werbegelder“ als auch Gelder für den Abbau der Schulden des Vereins „kassiert“.
In der Anzeige werden konkrete Bauprojekte genannt: So habe die Firma Eichhorn beim Bauprojekt Liebigstraße 60 000 Euro gezahlt. Bietmann sprach von „miesester Form der Denunziation“. Die Vorwürfe seien „absoluter Quatsch“, weil er keinen Einfluss auf Vergabeverfahren gehabt habe. Oberstaatsanwältin Regine Appenrodt sagte, dass es keinen Anfangsverdacht gegen Bietmann gebe, er sei kein Beschuldigter.
In der anonymen Anzeige wird auch eine Verbindung zwischen den Handwerksfirmen und dem so genannten „Club 100“ gezogen. Hier sitzen Förderer der Viktoria, darunter zahlreiche Handwerksbetriebe. Einige von ihnen arbeiten für die GAG. „Dass das so gelaufen ist, wie die Ermittler glauben, ist denkbar“, sagt ein „Club 100“-Mitglied.
Auch das Unternehmen von Ex-Karnevalsprinz Thomas Brauckmann, der durch die Affäre erneut in die Schlagzeilen gekommen ist, tritt sowohl als Gönner der Viktoria wie auch als Auftragnehmer der GAG auf. Seine Anwältin Gaby Münchhalffen spricht von einer „Vorverurteilung“. Gerade nach der „Affäre“ um den angeblichen Versuch Brauckmanns, einen CDU-Stadtrat vor der GAG-Abstimmung im Rat zu bestechen, hätte man sich gewünscht, dass „Vorwürfe zurückhaltender lanciert worden wären“.
Die Anzeige beschuldigt Brauckmann und andere Betriebe, bei mehreren Bauprojekten über nachträgliche Rechnungen „mehr als 50 Prozent zu viel abgerechnet“ zu haben. Dazu Münchhalffen: „Die Auswertung der Unterlagen wird ergeben, dass alle Auftragsvergaben und Abrechnungen sachgerecht und korrekt erfolgt sind.“