London – Nach einer ganzen Reihe von Skandalen sind Boris Johnsons Tage im Amt nun doch gezählt. Doch wer könnte ihn als britischer Premierminister und Parteivorsitzender der Konservativen beerben? Ein Überblick über die möglichen Kandidaten:
Rishi Sunak: Der erste hinduistische Finanzminister Großbritanniens wurde lange als Favorit für die Nachfolge von Johnson gehandelt. Doch Fragen zu seinem beträchtlichen Privatvermögen und Steuertricks seiner Familie schadeten zuletzt seinem Ruf. Als Finanzminister trat Sunak nun zurück, was die Spekulationen um seine eigenen Ambitionen erneut anheizte. Der 42-Jährige ist in den Online-Netzwerken erfolgreich, und seine Wirtschaftspolitik in der Corona-Krise brachte ihm viel Zustimmung ein.
Sajid Javid: Der frühere Investmentbanker und Sohn eines pakistanischstämmigen Busfahrers gehört dem wirtschaftsliberalen Flügel der Tories an. 2020 war er bereits im Streit mit Johnson als Finanzminister zurückgetreten, wurde gut ein Jahr später jedoch als Gesundheitsminister erneut ins Kabinett berufen. Der 52-Jährige hatte Johnson lange verteidigt, trat nun aber zusammen mit Sunak erneut zurück.
Jeremy Hunt: Der frühere Außen- und Gesundheitsminister unterlag 2019 im Rennen um den Parteivorsitz der Konservativen. Damals stellte sich der heute 55-Jährige im Vergleich zu Johnson und dessen Clown-Image als „ernsthafte“ Alternative dar. Der Geschäftsmann, der fließend Japanisch spricht, gilt als besonders belastbar, jedoch wenig charismatisch.
Liz Truss: Die amtierende Außenministerin wird in der konservativen Partei für ihre Offenheit und ihr Durchsetzungsvermögen geschätzt. Allerdings hat dies auch Fragen zu ihrem Urteilsvermögen aufgeworfen, zum Beispiel als sie im Februar Briten zum Kampf in der Ukraine aufforderte. Kritiker werfen der 46-Jährigen vor, sich durch ihre Freimütigkeit angreifbar zu machen.
Ben Wallace: Der Verteidigungsminister hatte im Zuge der Ukraine-Krise an Beliebtheit gewonnen. Der 52-jährige Ex-Offizier gilt als geradlinig und kompetent. Er ist ein langjähriger Verbündeter von Johnson und hat Spekulationen zu eigenen Ambitionen auf den Parteivorsitz stets zurückgewiesen. (afp)