AUS DEM KREIS. Gestern wurde bekannt, dass ein Ingenieur aus Neuss, der in Taiwan tätig war, möglicherweise an der Lungenkrankheit SARS erkrankt ist. Auch die hiesigen Krankenhäuser haben sich auf einen solchen Fall eingestellt (wir berichteten). Einige Oberberger sind ebenfalls aus beruflichen Gründen in Ostasien unterwegs.
Der pensionierte Gymnasiallehrer Karl Otto Herhaus aus Wiehl-Linden arbeitet seit September als Dozent an der Yabian University im Nordosten Chinas. Wie er im Telefongespräch mit unserer Zeitung berichtet, hat es in der Stadt keinen SARS-Fall gegeben. Insgesamt, meint Herhaus, sei die Bedrohung in Deutschland „wahnsinnig übertrieben“ worden.
Allerdings weiß Herhaus von SARS-Erkrankungen in den Nachbarkommunen. Außerdem seien Kranke aus durchfahrenen Zügen geholt worden. Diese Informationen habe er „vom Hören-Sagen“. Zudem werde er von der Botschaft auf dem Laufenden gehalten. Die offizielle Information sei dagegen mangelhaft: „Es hat dem Ansehen der Regierung geschadet, dass sie erst mit der Wahrheit rausrückte, als das Kind in den Brunnen gefallen war.“
In seinem Umfeld wurden umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen getroffen, berichtet Herhaus. Die Universitätsverwaltung sorgte für eine regelmäßige Desinfektion von Gebäuden und Bussen, die Einlasskontrollen für das Gelände wurden verschärft, Wanderungen in der Umgebung und Kontakte zu den Nachbarstädten zeitweise untersagt. Er selbst habe von sich aus bis vor zwei Wochen auf lieb gewordene Besuche in der Badeanstalt verzichtet.
Ausgefallen ist auch die Reise mit seiner Frau, die zum Abschluss des Aufenthalts geplant war. „Eigentlich wollte ich heute runterfliegen“, sagte Dorothea Herhaus gestern. Für eine Vergnügungsreise sei das Risiko aber zu groß: „Wenn man aus irgendwelchen Gründen überhöhte Temperatur hat, kommt man in Quarantäne. Und wer weiß, was man sich dann holt?“
Aus dem gleichen Grund verzichtet Wilma Weigang aus Bielstein auch darauf, wie geplant ihren Mann Karl-Heinz in Malaysia zu besuchen, der dort seit anderthalb Jahren als Fußballtrainer arbeitet. „Allerdings gibt es in Malaysia selbst keine SARS-Fälle, und die einzige Sicherheitsmaßnahme, die mein Mann jüngst ergriffen hat, war, den Rückflug über Thailand statt über Singapur zu buchen.“
Dr. Harald Gotthardt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Maschinenfabrik Kampf in Wiehl-Mühlen, berichtet von den Sicherheitsmaßnahmen für vier Mitarbeiter, die zurzeit auf einer Großbaustelle in Xiamen in Südchina eingesetzt sind. Dazu gehöre ein medizinischer Dienst, der alle Arbeiter regelmäßig untersucht. Bei der Anreise werden Peking und Hongkong umgangen. Ansonsten gelte: „Die Zahl der Erkrankungen ist rückläufig, die Situation scheint sich zu entspannen.“