BERLIN. James Bond wäre blass geworden, wenn er in den siebziger Jahren ein Ausbildungslager der Stasi-Abteilung AGM / S besucht hätte. Was dem Agenten mit der Lizenz zum Töten nur mit mürrischer Miene überlassen wurde, war bei den Kämpfern des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit problemlos zu haben: Die zeitweilig bis zu 1024 Stasi-Killer kannten sich mit allen denkbaren Mordarten aus. Und ständig wurden neue Wunderwaffen für den Einsatz gegen den „Klassenfeind“ entwickelt - Schalldämpfer für Handfeuerwaffen, Koffer mit eingebauten Maschinen-Pistolen und tödliche Cocktails.
Möglicherweise gehörte der jetzt verhaftete 53-jährige ehemalige Stasi-Mitarbeiter Jürgen G. zu jener Truppe, die bis in die achtziger Jahre hinein Mordaufträge ausführte. G. soll zwischen 1976 und 1987 mehrere Personen getötet haben, „die aus Sicht des DDR-Regimes Verrat begangen hatten oder zu begehen drohten.“
Weil die Bundesanwaltschaft zu Details schweigt, blühen Spekulationen. War G. in den mysteriösen Tod des DDR-Fußballers Lutz Eigendorf verwickelt? Eigendorf hatte sich 1979 in Kaiserslautern von seiner Mannschaft abgesetzt und war in der Bundesrepublik geblieben. Vier Jahre später starb er bei einem mysteriösen Verkehrsunfall in Braunschweig. Seitdem hält sich der Verdacht, ein Stasi-Agent habe den Fußballer mit vergiftetem Alkohol traktiert.
Und was ist mit dem unaufgeklärten Mord an der schwedischen Journalistin Cats Falk: Ihr war 1984 der Nachweis gelungen, dass ein schwedischer Konzern trotz Embargos mit Hilfe der DDR Waffen und Computer in den Iran geschmuggelt hatte. Verabreichte ein Stasi-Team Falk und und ihrer Freundin lähmendes Gift und ließ die Frauen samt Pkw in einem Kanal in Stockholm verschwinden?
Ähnliche Mord-Geschichten spielten sich möglicherweise auch in der Hauptabteilung von Stasi-General Markus Wolf ab. Er bestreitet die Existenz von Mordkommandos und erklärt, er habe als Chef der DDR-Auslands-Spionage stets einen fairen Kampf mit den westlichen Geheimdiensten ausgetragen. Dennoch hat Wolf drei seiner Mitarbeiter für Terror-Einsätze ausbilden lassen - und zwar auf seinen persönlichen Wunsch, wie es in den Stasi-Unterlagen heißt.
Außerdem forderte ein Wolf unterstellter Stasi-General 1981 bei der Terror-Truppe die Bereitstellung „einiger weniger vertrauensvoller Einsatzkader für ganz spezifische Aufgaben“ im Einsatzgebiet Bundesrepublik an. Wann und ob diese Einsatz-Kader je ihr blutiges Handwerk verrichtet haben, ist unbekannt . . .