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Kinderheim Schloss AllnerCaritaschef entschuldigt sich

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BONN/HENNEF – 40 Jahre hat es gedauert, bis Missstände und Misshandlungen im ehemaligen Kinderheim Schloss Allner in Hennef bekannt wurden. Nach ersten Vorwürfen hatte der damalige Träger, der Caritasverband Bonn, im März 2010 ehemalige Mitarbeiter und Heimbewohner dazu aufgerufen, sich beim Verband oder einer Ombudsfrau zu melden. Der frühere Bonner Stadtarchivar Manfred van Rey wurde zudem mit einer externen Untersuchung beauftragt.

„Die Ergebnisse sind für uns bestürzend und schmerzend“, erklärte am Montag Caritasdirektor Jean-Pierre Schneider. „Offensichtlich gab es im Schloss Allner schlimme Missstände, unter denen Menschen noch heute zu leiden haben.“ Bauliche und hygienische Mängel, zu wenig Fachpersonal sowie eine nicht immer angemessene Versorgung hätten den Alltag des Heimes bis zu dessen Schließung im Jahr 1972 geprägt. Zudem seien Kinder bei Bestrafungen misshandelt worden. „Ich möchte mich persönlich für das entschuldigen, was die Menschen dort erlebt haben und was unter dem Namen Caritas damals geschehen ist“, sagte Schneider.

In dem zunächst von Nonnen im Auftrag der Caritas geführten Heim waren anfangs ausschließlich Säuglinge untergebracht, bei denen es sich vor allem um nichteheliche Kinder handelte. „Eine Heimakte, die umfassend Aufschluss über die zwischen 1953 und 1972 im Heim befindlichen Kinder gibt, existiert nicht mehr“, heißt es in van Reys Bericht. Jedoch seien in 19 Jahren jeweils 35 bis 140 Kinder auf Schloss Allner untergebracht gewesen.

Wie der Heimalltag aussah, ist angesichts der spärlichen Aktenlage kaum nachvollziehbar. Drei Fälle von körperlicher Gewaltanwendung sind „abgesehen von der damals durchaus üblichen bzw. akzeptierten Fixierung der Kinder in den Betten“ dokumentiert. Außerdem liegen aus den 60er Jahren Prüfberichte von Landes- und Kreisjugendamt vor, in denen mehrfach aufgrund der Überbelegung der Gruppen und dem großen Fachkräftemangel mit der Schließung des Heims gedroht wird.

Bei der Caritas haben sich seit März insgesamt 35 Personen gemeldet. Ehemalige Mitarbeiterinnen hätten das Kinderheim mit Hinweis auf die damaligen Zeiten und Erziehungsmethoden in Schutz genommen, so Ombudsfrau Barbara Ingenkamp. Gleichzeitig quälten sie aber bis heute Schuldgefühle, da sie keine Zeit gehabt hätten, sich mit den Kindern zu beschäftigen.

Ehemalige Heimkinder hätten von „belastenden Erfahrungen und erschütternden Missständen“ berichtet, erklärte Peter Conzen von der psychologischen Beratungsstelle der Caritas. Obwohl die Betroffenen teilweise nur „Erinnerungsfetzen“ berichten könnten, offenbare sich doch eine „grundlegende Verletzung des Urvertrauens in die Welt und in sich selbst“.

Die Caritas bietet den ehemaligen Heimbewohnern nun vorbehaltlos Hilfe und Unterstützung an. „Nicht nur in therapeutischer Sicht, sondern auch bei der Aufarbeitung der eigenen Lebensgeschichte“, so Schneider.

Ehemalige Heimbewohner und Mitarbeiter können sich unter Ruf (0228) 108 209 oder allner@caritas-bonn.de an die Caritas wenden.