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„Klassenbegleiter“Mit Vorbildcharakter für andere Schulen

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Wichtige Hilfe und Ansprechpartnerin: Warda Mohammad mit Roland. Sie ist eine von zwei "Klassenbegleiterinnen", die an der Joseph-von-Eichendorff-Schule in Bonn tätig sind. Unterstützt wird das Projekt von der Stiftung Jugendhilfe der Sparkasse in Bonn.

BONN – „Oft“, sagt Klaus Honisch, „braucht man eine dritte und vierte Hand, einen zweiten Kopf und einen zweiten Mund.“ Daaber weder Honisch, der Direktor der Bonner Joseph-von-Eichendorff-Schule, noch seine Lehrerkollegen dermaßen praktisch ausgestattet sind, hat Honisch eine andere Lösung erdacht: Er führte an seiner Schule das Projekt „Klassenbegleiter“ ein.

Die helfen den 165 Kindern seiner Förderschule bei ganz alltäglichen Sachen – vom Schuhe binden bis zum Packen der Schultasche. Das seien eigentlich „lächerliche Kleinigkeiten“, sagt Honisch, aber für die Kinder ungeheuer wichtig. Doch um diese Kleinigkeiten können sich Lehrer gerade nicht kümmern.„Wir helfen beim Schwimm- und Sportunterricht beim An- und Ausziehen, binden die Schuhe und zeigen den Kindern immer wieder, wie es geht, wie sie durch den Alltag kommen, wie die Regeln sind“, sagt Astrid Holtmann, die als Ein-Euro-Jobberin an die Schule kam und inzwischen als Quereinsteigerin fest angestellte „Schulbegleiterin“ ist.

Seit etwa drei Monaten sind Warda Mohammad und Tordis Knees als „Klassenbegleiterinnen“ an der Schule tätig. Weil die Stiftung Jugendhilfe der Sparkasse in Bonn das Projekt mit 11 000 Euro fördert, kann Schuleiter Klaus Honisch die beiden 400-Euro-Jobs für ein Jahr finanzieren. Wie es dann weiter geht, weiß er heute noch nicht. Der Schulträger jedenfalls, die Stadt Bonn, habe kein Geld gegeben. „Es geht eigentlich nicht, dass solche Sachen über Stiftungen finanziert werden müsssen.“

Die 25 Lehrer an der Förderschule mit den Schwerpunkten Lernen und Emotionale und Soziale Entwicklung unterrichten in relativ kleinen Klassen mit etwa zwölf Schülern. Die Kinder kommen meist aus Dransdorf und Tannenbusch, aber auch aus anderen Bonner Stadtteilen.Immer mehr Kindern werden zu Hause selbst elementare Dinge nicht mehr vermittelt, hat Lehrerin Adelheid Langenbruch beobachtet. „Wie gehe ich mit einem Bleistift um? Was ist ein Buch?“, nennt Langenbruch Beispiele.Die „Klassenbegleiterinnen“ Warda Mohammad – sie kam vor elf Jahren aus dem Irak nach Deutschland und ist in ihrer Heimat ausgebildete Lehrerin – und Tordis Knees – sie ist Lehrerin und fördert in ihrem Hauptjob Kinder mit Lese- und Rechtschreibschwäche – helfen den Kindern der Klassen 1 bis 4 bei den „täglichen Herausforderungen“ .

Oder sie begleiten sie beispielsweise beim Gang auf die Toilette.Entstanden ist seine Idee – nach Angaben des Schulleiters ist das Projekt in dieser Form einmalig – durch die „Schulbegleiter“ beziehungsweise „Integrationshelfer“. Dabei werde einem einzigen Kind, das Hilfe im Schulalltag benötige, eine Person ganztägig als Begleiter zur Seite gestellt. In der Praxis sei es aber so, dass kaum ein Schüler permanent einen Betreuer an seiner Seite haben müsse. „Wir stellen für das ganze System einen Menschen und ordnen ihn Klassen zu. Das ist nicht so festgezurrt wie eine 1:1-Betreuung“, sagt Klaus Honisch über das Projekt „Klassenbegleiter“, das sich nach seiner festen Überzeugung nicht nur für Förderschulen anbietet, sondern für alle Schulen in sozialen Brennpunkten.

Angefangen an der Joseph-von-Eichendorff-Schule hat das Projekt mit Ein-Euro-Jobbern. „Wir haben durchgängig gute Erfahrungen gemacht“, sagt der Schulleiter. So fing neben „Schulbegleiterin“ Holtmann auch „Klassenbegleiterin“ Mohammad als Ein-Euro-Kraft an.Nach Einschätzung von Doro Schmitz, Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Jugendhilfe, kann Honischs Projekt „Vorbildcharakter“ für andere Schulen haben. Es biete Kindern „konkrete und direkte Hilfe“. Die Kinder erhielten Unterstützung genau in dem Moment, in dem sie sie bräuchten.