Diagnose Knochenkrebs - das war für die damals 15-jährige Yadwigha Graubner natürlich ein Schock. „Wir dachten erstmal: Das ist ein Todesurteil.“ Doch mit Hilfe einer Operation, bei der ein künstliches Kniegelenk eingesetzt wurde, und anschließender Chemotherapie konnte die heute 37-Jährige geheilt werden. Rund 1800 Kinder unter 15 Jahren erkranken jährlich in Deutschland an Krebs. Bei den meisten werden Leukämien, also Formen von Blutkrebs, Tumoren des Gehirns und des Rückenmarks sowie Lymphknotenkrebs diagnostiziert. Doch glücklicherweise werden drei Viertel von ihnen geheilt, betont die Deutsche KinderKrebshilfe, eine Tochterorganisation der Deutschen Krebshilfe, anlässlich des Internationalen Kinderkrebstages am 15. Februar.
„Wir haben in Deutschland heute eine weitgehend optimale Struktur und können die Kinder in speziellen Zentren behandeln“, sagt Gerd Nettekoven, Geschäftsführer der Krebshilfe. Doch die sieht er in Gefahr. Ab 2004 wird ein neues Abrechnungssystem mit Fallpauschalen (DRGs) eingeführt. „Die derzeitig gültigen Pauschalen lassen den sehr viel höheren Pflege- und Personalaufwand bei der Versorgung krebskranker Kinder außer Acht“, bemängelt Ulrich Göbel, Kinderonkologe am Uni-Klinikum in Düsseldorf.
Mit den so genannten „Diagnosis Related Groups“, die die starre Budgetierung ablösen, sollen unnötig lange Liegezeiten in den Kliniken vermieden und somit Kosten gesenkt und gleichzeitig die Qualität gesichert werden. Die Fallpauschalen, die die Krankenkassen zahlen, sind abhängig von Art und Schwere der Erkrankung. Doch die DRGs für krebskranke Erwachsene lassen sich nicht einfach auf Kinder übertragen, moniert Göbel. „Die Kinderkrebszentren müssen dann mit rund 30 Prozent weniger Einnahmen rechnen“, schätzt der Krebsspezialist. Zudem werde schon jetzt in der Kinderonkologie mit Hilfe des Kinderkrebsregisters in Mainz nach Evidenz-basierten Methoden, die die Qualität sichern sollen, therapiert.
Die Vertreter der Deutschen Krebshilfe signalisieren jedoch Gesprächsbereitschaft: „Wir appellieren jetzt an die Politik, weil es noch nicht zu spät ist“, betont Nettekoven. Göbel fordert „eigens für die pädiatrische Onkologie definierte Fallpauschalen“. Schon jetzt gebe es Möglichkeiten, zu sparen, gab auch der Mediziner zu, etwa bei den Medikamenten, die die Chemotherapie begleitend unterstützen und zur Lebensqualität der Patienten beitragen. „Doch das eingesparte Geld fließt eben bisher nicht zu den Krankenkassen zurück, sondern wird an anderer Stelle in den Kliniken ausgegeben“, sagt Nettekoven. Daher hält er es für durchaus sinnvoll, ein Abrechnungssystem zu etablieren, das transparenter ist. Denn gegen einige DRGs sei nichts einzuwenden.