LINDLAR. Auch ein kleiner Bach kann Probleme machen: So geschehen in Lindar-Oberschümmerich am 19. Juni 2006, als nach heftigen Regenfällen ein verrohrter, namenloser Bach erhebliche Überschwemmungen verursachte. Der Aggerverband untersuchte daraufhin die Rohre mit Hilfe einer Kamera. Das Ergebnis: Viele der alten Betonröhren sind gerissen. Das sind ganz normale Alterserscheinungen, sagte Wim Dissevelt vom Ingenieurbüro Donner und Marenbach, das im Auftrag des Aggerverbandes den Bachverlauf untersucht hat. Noch ein bisschen Druck, dann bricht das Rohr zusammen, erklärte der Ingenieur.
In der Sitzung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses stellte der Aggerverband einen Lösungsvorschlag für das Problem vor. Der Bach soll über weite Strecken offen gelegt werden, denn eine Reparatur der alten Verrohrung wäre sehr aufwendig und müsste von den Grundstückseigentümern bezahlt werden. Und das kann richtig ins Geld gehen. Eine Renaturierung sei auch ökologisch zu begrüßen. Mit dem Nachteil für die Hauseigentümer, dass ihr Grundstück künftig von einem Bach durchschnitten wird.
Das waren früher
stinkende Kanäle
Demnächst soll eine Einwohnerversammlung einberufen werden, dort wird dann auch über die Kostenverteilung informiert. Zur Beseitigung der Altanlagen werden die Eigentümer mit herangezogen, die eigentliche Offenlegung und die Gewässerunterhaltung ist dann Sache des Aggerverbandes. 2010 könnten die Arbeiten durchgeführt werden. Ob künftig in Lindlar auch weitere verrohrte Bäche offengelegt werden sollen, ist umstritten. Jürgen Dreiner-Wirz (SPD) warnte davor, die Renaturierung in Oberschümmerich als Pilotprojekt zu sehen. Wir öffnen damit ein Riesenfass.
Lothar Schmachtenberg vom Aggerverband erklärte zu den Hintergründen der Verrohrung: Die Bäche waren früher stinkende Abwasserkanäle. Das Vieh hat reingepinkelt, es gab Ratten und die Gefahr von Krankheiten. (cor)