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Kleinkind von Drehtür erdrückt

3 min

In dieser Drehtür des Terminals 2 wurde ein 18 Monate altes Kind eingeklemmt.

KÖLN / BONN. Es müssen sich entsetzliche Szenen am Terminal 2 des Flughafens Köln / Bonn abgespielt haben: Feuerwehrmänner sitzen mit gesenktem Kopf auf dem Boden, eine Flughafen-Mitarbeiterin wischt sich Tränen aus den Augen, und dem Einsatzleiter der Feuerwehr ist der Schreck ins Gesicht geschrieben. „Wir können nicht glauben, dass so etwas passiert ist“, fasst Airport-Geschäftsführer Wolfgang Klapdor das Entsetzen der Umstehenden in Worte.

„So etwas“ - das ist eine Tragödie, die gestern um kurz vor zwölf Uhr begann. Eine Familie aus dem Rhein-Sieg-Kreis wollte sich das neue Terminal ansehen. Der Vater hatte den Wagen geparkt, die Mutter ging mit ihren beiden Kindern voran. Mit einem Säugling auf dem Arm passierte sie um 11.40 Uhr die Drehtür; ihr 18 Monate alter Sohn war wenige Schritte hinter ihr. Als die Frau im Gebäude war, wollte das Kind hinterherkommen und betrat die Drehtür. Dabei geriet der rechte Arm des Jungen zwischen die rotierende Drehtür und den feststehenden Rahmen. Der Körper des kleinen Jungen wurde zwischen Tür und Rahmen eingeklemmt - das Kind wurde förmlich erdrückt: Denn der Abstand zwischen Tür und Rahmen beträgt nur 40 Millimeter.

Ein Augenzeuge griff geistesgegenwärtig zu einem Feuerlöscher und schlug gegen die Scheibe. Aber erst als die Mitarbeiter der Flughafenfeuerwehr mit einem Brecheisen gegen die Scheibe hämmerten, konnte der Junge befreit werden. „Wir brauchten etwa eine Minute, um das eingeklemmte Kind dort herauszuholen“, sagte Einsatzleiter Christoph Schnepf. Zwei Notärzte kümmerten sich um den lebensgefährlich verletzten Jungen und konnten ihn zunächst reanimieren. Doch etwa zwei Stunden später erlag das Kind in der Klinik in Merheim seinen Verletzungen. Die Eltern mussten mit einem schweren Schock ebenfalls in die Klinik und von Notfallseelsorgern betreut werden. Auch die Männer der Flughafen-Feuerwehr wurden psychologisch betreut. „Der Anblick war zu furchtbar“, sagte ein Feuerwehrmann.

„Wir sind alle schockiert und auch etwas ratlos“, sagte Flughafensprecherin Anja Stenzel von Mehlis. Die Türen wurden zuletzt am 13. November 2003 von einer Firma aus Ellerau (Norddeutschland) gewartet, betonte die Sprecherin. Die inzwischen insolvente Firma produziert keine Türen mehr, ist aber weiter für die Wartung, Pflege und Instandhaltung der Türen zuständig. Im Mai sollten die erneut überprüft werden.

Nach Angaben von Sprecherin von Mehlis hatte die Firma dem Flughafen eine so genannte Konformitätserklärung abgegeben: „Das sagt uns, dass die Türen den Sicherheitsvorschriften entsprechen“. Zuvor habe der TÜV den Prototyp überprüft und ein Zertifikat ausgestellt. Im neuen Terminal wurden zur Eröffnung im September 2000 sieben derartige Türen eingebaut. Nun sind sie von der Staatsanwaltschaft bis auf weiteres stillgelegt.

Für Flughafen-Geschäftsführer Wolfgang Klapdor ist es ein „furchtbares Unglück“. Seit der Eröffnung des Terminals seien Millionen Passanten durch die Tür gegangen, „nie ist etwas passiert“. In vielen Flughäfen der Welt seien diese Drehtüren eingebaut. Polizei, Staatsanwaltschaft und ein TÜV-Sachverständiger versuchen nun herauszufinden, wie das Kind in die Drehtür geraten konnte. Eine Sprecherin des TÜV wollte sich nicht zu den Untersuchungen äußern, weil sie von dem Flughafen beauftragt wurde, ein Gutachten zu erstellen und den Ergebnissen nicht vorgreifen möchte.

Die zentrale Frage ist, ob die Tür schon hätte stehen bleiben müssen, als das Kind mit der Hand zwischen Tür und Rahmen kam. Tatsächlich blieb die automatische Drehtür erst stehen, als der Junge mit dem gesamten Körper eingeklemmt war. Möglicherweise hat die Betätigung eines Notknopfes seine Situation sogar gravierend verschlechert: Mit diesem Knopf lassen sich im Notfall die Flügel im Inneren der Drehtür nach außen klappen, um einen freien Durchgang zu schaffen - in diesem Fall aber könnten die nach außen geklappten Flügel den Druck auf das eingeklemmte Kind noch erhöht haben.