SIEGBURG. Der Werbeslogan klang vielversprechend: Gold-Sieg, ein Fahrrad, das Ihnen Freude macht, hieß es in den 40er Jahren. Freude mit dem Gefährt hat jetzt vor allem Museumsleiter Klaus Hardung. Gernot Willscheid aus Siegburg hat ihm das Vehikel, das bestens in die Abteilung zur Industriegeschichte passt, als Dauerleihgabe überlassen.
Einst war das alte schwarz lackierte Transport-Fahrrad für die Druckerei Thelen im Einsatz, die früher in der Humperdinckstraße 48 angesiedelt war. Die druckfrischen Erzeugnisse des 1901 gegründeten Betriebs wurden mit dem Rad ausgeliefert. 1962 stieg Werner Thelen, ein Namensvetter von Theo Thelen, in die Firma ein und führte sie bis zur Auflösung 1997. Das Gold-Sieg-Fahrrad stammt von der ehemaligen Siegburger Firma Goldberg. 1882 gründete Benjamin Goldberg in der Kaiserstraße 38 sein Geschäft, das Nähmaschinen und Fahrräder vertrieb und zugleich Möbel-, Bett-, und Polsterwarenfabrik war. Im Sortiment hatte Goldberg auch das Goldrad. Die Brüder Ernst und Eduard, Mitbegründer des Radfahrer-Vereins Siegburg von 1894, waren ebenfalls im Geschäft aktiv. Als Benjamin Goldberg 1910 nach Köln umzog, gründete Eduard 1903 einen eigenen Betrieb. Und nahm in sein Sortiment auch das Gold-Sieg-Original auf, das er im Prospekt als ein Meisterstück deutscher Wertarbeit anpries. Im Adressbuch von 1928 / 1929 wird die Firma als E. Goldberg, Fahrrad, Fahrradteile und Nähmaschinen-Großhandlung. Kaiserstr. 29 angegeben. Der Eintrag in Grevens Adressbuch von 1940 lautet: Eduard Goldberg, Siegburg. Die leistungsfähige Großhandlung in Fahrrädern, Nähmaschinen, Waschmaschinen, Kraftfahrzeug-Bedarf, Zubehör und Ersatzteilen, gegründet 1903, Kaiserstraße 31-37. Später übernahm Sohn Alfred, der auch Mitglied des Stadtrats war, das Geschäft bis zur Auflösung in den 70er Jahren.
Besonders auffällig ist an dem neuen Museumsschätzchen die Fahrradklingel mit der Inschrift: Aspice Christophorum et tutus viam carpe, was soviel heißt wie: Blicke auf Christophorus und bringe unversehrt den Weg hinter dich.
Dabei war das Transportrad vermutlich durchaus verkehrstüchtig und kraftvoll, wie der Rücktrittsbügel erahnen lässt, als dessen Hersteller Torpedo Schweinfurt verantwortlich zeichnet. (gw)