SALZBURG - Christoph Ullmann zögert einen Moment. Dann entzieht er sich dem Blickkontakt und bereitet seine Antwort vor. „So weit schaue ich nicht voraus. Ich möchte erst einmal in Köln ankommen und gute Leistungen zeigen.“ Ein guter Taktiker, der Neuzugang der Kölner Haie. Einer der abwartet, schaut in welche Richtung es geht, um dann die Rolle einzunehmen, die man ihm beim KEC zugedacht hat. Und das ist keine geringere als die eines Führungsspielers. Die neue Gallionsfigur im Konzept der Haie, das vorsieht mit jungen deutschen Spielern die Jagd nach der neunten deutschen Meisterschaft erfolgreich zu beenden.
Trainer Doug Mason adelte Ullmann trotz des Viertelfinal-Aus gegen den KEC als besten Mannheimer Spieler in den Playoffs der vergangenen Saison. Was etwas heißen will, denn die Adler sind ein mit Stars und Euros bestens bestücktes Team. Rodion Pauels geht noch einen Schritt weiter als Mason. Für den Manager der Haie soll der 25-Jährige in den kommenden Jahren die Identifikationsfigur des Traditionsclubs darstellen. „Er bringt alle Voraussetzungen für diese Rolle mit“, erklärt Pauels. Deshalb hat er für den Mittelstürmer ganz tief ins KEC-Portemonnaie gegriffen und die finanzstarken Mannheimer ausgepokert.
Derartige Vorschusslorbeeren können Ullmann immerhin ein Lächeln abringen. Vom Boden hebt er deswegen noch lange nicht ab. „Die Schuhe sind doch etwas groß. Sie anzuziehen, hieße den zweiten vor dem ersten Schritt zu machen“, wiegelt „Ulle“ ab.
Wer so vorsichtig und bescheiden auftritt, hat seine Erfahrungen gemacht. Für Christoph Ullmann liegen die Wurzeln seiner Bodenständigkeit in Köln. In die Domstadt kam er im Alter von 15 Jahren auf eine Zeitungsannonce des KEC hin. „Talentierte Spieler gesucht“, stand in der Fachzeitschrift „Eishockey-News“. Ullmann, meldete sich, bewies Talent und erhielt schließlich als 18-Jähriger einen Profi-Vertrag. Bis dahin lebte er in einer Gastfamilie. Als 20-Jähriger feierte er mit den Haien den bis dato letzten Kölner Meistertitel. Die Statistik wies in der Saison 2001 / 02 17 Einsätze für ihn aus, die Zahl die er jetzt als Trikotnummer beim KEC trägt. „Ich habe aber mehr auf der Bank gesessen als gespielt“, gibt Ullmann zu.
Dann spricht er vom steinigen Weg mit Duisburg (Förderlizenz) durch die 2. Liga und von Hans Zach, der ihn in seinem ersten Jahr als Trainer in Köln gleich aussortierte. „Das war hart für mich, aber geradeaus von Hans Zach“, erinnert sich Ullmann. So wechselte er 2003 nach Mannheim und reifte dort zum Nationalspieler. Zach berief ihn 2004. „Hans hat mir damals gesagt, dass mir der Wechsel wohl gut getan hätte.“
Nun ist Ullmann zurück in Köln und weiß, wo er hingehört: „Hier habe ich meine Gastfamilie und meine Freunde. Neben den sportlichen Herausforderungen war dies die Triebfeder für den Wechsel“, erklärt er. Wahrscheinlich ehrt Ullmann auch die ihm zugedachte Rolle bei den Haien. Genau so sehr, wie sie ihn reizt. Denn wer ist nicht gerne das Gesicht eines Konzepts?