„Chappi“ war mehr als ein ganzer Kerl: Ein Boss einer international agierenden Drogenbande, der in der Kölner Unterwelt das Sagen hatte. Zwölf Jahre verbrachte er deshalb hinter Gittern. Doch schon kurze Zeit nach seiner Entlassung 2006 soll Heinz-Bernhard C. wieder mit dem Drogenhandel begonnen haben. Wie die Polizei berichtet, wurden der in Nippes lebende 55-Jährige sowie drei weitere Tatverdächtige im Alter von 25 bis 30 Jahren gestern Vormittag festgenommen.
Bei der Durchsuchung von zwölf Wohnungen in Nippes, Buchheim, Porz sowie in Bonn, Frechen, Troisdorf und im Bereich Remagen stellten die Ermittler neben kleineren Mengen Kokain auch vermutlich gestohlene Gemälde und Motorräder sicher. Da es Hinweise gab, dass einer der drei weiteren Beschuldigten bewaffnet sei, wurde ein Spezialeinsatzkommando eingesetzt. In der betreffenden Wohnung stießen die Beamten auf Waffen und Munition. Allen vier Festgenommenen wird Handel mit Kokain und Aphetamin im Kilogrammbereich vorgeworfen.
Eine erneute Strafe könnte für den einstigen „König des Kokains“ drastische Folgen haben. Da „Chappi“ angeblich seiner kriminellen Vergangenheit abgeschworen hatte und Mithäftlinge über die Gefahren von Drogen aufgeklärt hatte, war er nach zwölf Jahren vorzeitig entlassen worden. Seine noch offene Freiheitsstrafe von drei Jahren hatte ein Gericht zur Bewährung ausgesetzt. Ob die Anklagebehörde bei einem erneuten Verfahren Sicherheitsverwahrung beantragen wird, könne derzeit noch nicht gesagt werden, erklärte Oberstaatsanwalt Günther Feld.
Rückblick: Anfang der 90er Jahre steigt „Chappi“ zur Größe der Unterwelt auf, steht in Kontakt zu Drogenkartellen in Kolumbien und handelt mit Kokain im dreistelligen Kilobereich. In Flugzeugen oder Schiffen wird das weiße Pulver nach Europa geschmuggelt. In eigens dafür präparierten Autos oder Holzkisten mit doppeltem Boden erreichen die Drogen ihre Bestimmungsorte. Die Machenschaften haben ein Ende, als die Polizei 1994 nach monatelangen Ermittlungen den Drogenhändler-Ring sprengt. In seiner luxuriösen Villa mit goldenen Buddha-Statuen in Belgien werden „Chappi“ und 17 andere Tatverdächtige von einer Spezialeinheit festgenommen. Dabei entdecken die Fahnder schwere Waffen und 60 Kilo Kokain im Wert von fünf Millionen Mark. Der anschließende Prozess verschlingt Millionen: Die Drogenbande gilt als so gefährlich, dass vor dem Landgericht nur unter schärfsten Sicherheitsbedingungen verhandelt wird. Das Urteil: 15 Jahre - Höchststrafe.
13 Jahre nach Abschluss des Verfahrens nahmen einige der bereits damals eingesetzten Fahnder die Ermittlungen wieder auf. Laut Polizei stellte sich im Laufe mehrerer Monate heraus, dass Heinz-Bernhard C. durch die Begehung von Straftaten Geld verdient. Bei seiner Festnahme leistete er keinen Widerstand. „Chappis“ Anwalt Horst Terjung bestreitet den Vorwurf, wollte sich dazu jedoch nicht weiter äußern.