Er hatte es „geübt, geübt und geübt“, und er kriegte es auch hin. Als Alexander von Chiari beim Richtfest des Rosenmontagszuges bekannt gab, dass er nach Rosenmontag sein Amt als Zugleiter aufgebe, verlor er kein Tränchen. Auch nicht, als die Domstädter „Amazing Grace“ intonierten. Erst als er zum Schluss sagte: „Gott schütze Sie und unseren Fasteleer“, da „drohte es zu kippen“, wie Chiari nachher gestand.
Dass es in absehbarer Zeit einen Stabwechsel in der Zug-Leitung von Chiari zu Christoph Kuckelkorn, Bestatter und Sohn des Blaue-Funken-Präsidenten Fro Kuckelkorn, geben würde, hatte sich im Karneval weitgehend herumgesprochen; der Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt kam allerdings für die allermeisten Karnevalisten überraschend. „Es gibt keine persönlichen, familiären oder beruflichen Gründe für mich aufzuhören. Nein: Alles hat einfach seine Zeit.“ Er habe nachgerechnet, wie viele Züge es seit 1823 gegeben hat. Rund zehn Prozent davon habe er geleitet.
Chiari dankte den Karikaturisten, Wagenbauern, den Sponsoren und Präsidenten, auch seiner Familie sowie allen Wegbegleitern im Festkomitee, darunter Peter Keldenich, Kammerverwalter seit 15 Jahren, der nun aufhört. Ihn zeichnete er mit dem sehr selten vergebenen Festkomitee-Verdienstorden in Gold mit Brillanten aus. Für seinen Nachfolger warb Chiari um Vertrauen.
Zu dem, scherzte Festkomitee-Präsident Hans-Horst Engels, wolle er möglichst „nicht allzu festen Kontakt“ entwickeln (Christoph Kuckelkorn ist Bestatter). Auch Engels wird dieses Jahr sein Amt abgeben, wie auch auf weiteren Posten jüngere Leute nachrücken. „Solch einen rigorosen Wechsel hat es im Karneval noch nicht gegeben.“
OB Fritz Schramma hatte zuvor die Karnevalssitzungen verglichen mit der Sitzung, die er selbst gestern zu leiten hatte: die der „KG Kölner Rat“. Dabei war er auf allerlei witzige Parallelen und Unterschiede gestoßen. Das Dreigestirn lobte er: „Ihr habt das super gemacht, dat jeiht einem an et Hätz!“
Prinz Walter II. verriet, dass Bauer Uli nicht nur noch nie im Zoch dabei war: „Er hat sogar noch nie einen Rosenmontag gesehen.“ Jungfrau Claudia und er selbst, sagte Seine Tollität, seien sehr oft als Reiter dabei gewesen; die Fahrt auf dem Wagen sei also auch eine Premiere. Claudia freute sich sichtbar schon mächtig auf den Zoch und dankte allen Beteiligten, „dass ihr das möglich gemacht habt“.