BERGHEIM / BRÜHL. Ausgerechnet im Jahr der Behinderten gibt es Streit in den Werkstätten der Reha-Betriebe Erftland GmbH in Bergheim und Brühl. Der Elternbeirat erhebt schwere Vorwürfe gegen die Geschäftsleitung, den Trägerverein Lebenshilfe Bergheim und den Werkstattrat, dem Betriebsrat der 640 Behinderten und der Mitarbeiter der Reha-Betriebe.
Der Elternbeirat beklagt die mangelnde Informationspolitik der Geschäftsleitung und des Trägervereins. Deshalb haben wir uns die Bilanz für das Jahr 2001 besorgt, sagt Theo Eichberg, zweiter Vorsitzender. Die Eltern seien schockiert gewesen. Die GmbH, die vom Landschaftsverband bezuschusst wird, aber auch von Industrieaufträgen lebt, habe Rücklagen in Höhe von rund zehn Millionen Euro angehäuft, auf den Banken seien rund fünf Millionen Euro.
Woher kommt das Geld? Wofür wird es verwendet? Sind Gewinne auf Kosten der Behinderten gemacht worden? fragt der Elternbeirat. Er wirft den Reha-Betrieben vor, die Behinderten als Wirtschaftsfaktor zu betrachten. Die Therapie- und Betreuungsangebote kämen zu kurz.
Geschäftsführer Ingo Ziehm weist die Vorwürfe zurück. Wenn unsere Rücklagen zu hoch wären, hätte uns das Finanzamt die Gemeinnützigkeit aberkannt. Wir werden ständig überprüft. Die Rücklagen seien für Notzeiten gedacht. So könne es passieren, dass der Betrieb über längere Zeit keine Aufträge bekomme. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass wir Geld für sechs Monate zurücklegen müssen, damit wir die Löhne für die Behinderten weiter zahlen können.
Nach Angaben von Landesrätin Martina Hoffmann-Badache vom Landschaftsverband benötigt ein Unternehmen Rücklagen für Investitionen und Reparaturen an Gebäuden oder Maschinen. Wir müssen Betriebe nur überprüfen, wenn es Beschwerden gibt. Jetzt haben wir einen Anlass, sagt sie. Der Landschaftsverband habe ohnehin geplant, die Bilanzen aller Behindertenwerkstätten im Rheinland zu überprüfen. Wir sind an einer guten Zusammenarbeit von Eltern und Werkstatt interessiert und wollen vermitteln, sagt die Landesrätin.
Laut Ziehm haben die Reha-Betriebe zahlreiche Therapieangebote: Ergotherapie, Logopädie, Krankengymnastik, Erste-Hilfe-Kurse und sozialpädagogische Einzelförderung. Das Verhältnis zwischen Therapie und Arbeit sei immer eine Gratwanderung. Wir müssen ja Geld einnehmen, um Behinderte und Betreuer bezahlen zu können, sagt Ziehm.
Um mehr für ihre Kinder tun zu können, wollten 25 Eltern dem Trägerverein Lebenshilfe Bergheim beitreten. Doch der Verein, der nur wenige Mitglieder hat, lehnte alle Anträge ab und begrenzte seine Mitgliederzahl auf 25. Man werde es nicht zulassen, dass der Elternbeirat die Macht im Verein übernehme, der die Reha-Betriebe aufgebaut habe, meint Martin Plum, Betriebsleiter des Sozialdienstes und im Vorstand des Trägervereins. Den Verein gibt es seit dem Jahre 1969, die GmbH seit 1975.
Nun sind die Fronten so verhärtet, dass der Elternbeirat seinen neuen Vorstand nicht in den Räumen der Reha-Betriebe wählen und dort auch nicht für die Versammlung werben durfte. Trägerverein, Geschäftsleitung und Werkstattrat meinen ohnehin, dass ein neu gewählter Elternbeirat nicht rechtmäßig sei. Laut Sozialgesetzbuch müsse er im Einvernehmen mit dem Werkstattträger gewählt werden. Der Elternbeirat sieht das anders, so dass ein juristischer Streit programmiert ist.
Laut Geschäftsleitung und Trägerverein ist der Werkstattrat das einzige reguläre Mitwirkungsorgan der Beschäftigten. Den haben die Behinderten aus ihrer Mitte gewählt. Wir glauben, der Elternbeirat soll abgeschafft werden, weil wir zu kritisch sind, mutmaßt Theo Eichberg.
Der Werkstattrat will mit dem Elternbeirat nichts mehr zu tun haben. Die Eltern hatten Hartmut Bergheim, Vertrauensperson des Werkstattrates, Manipulation im Sinne der Geschäftsleitung vorgeworfen. Bergheim weist dies als unverschämt zurück. Wir sind unabhängig, sagt Bergheim. Wir haben in Verhandlungen mit der Geschäftsleitung viel erreicht, zum Beispiel Therapieangebote. Geschäftsleitung und Werkstattrat wollen nur noch mit den Eltern zusammenarbeiten, die nicht dem Beirat angehören.