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Kontrolliert Mafia Energiehandel mit Kiew?

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MOSKAU. Nach Ende des Gas-Streits zwischen Russland und der Ukraine verdichten sich die Gerüchte: Laut Moskauer Geheimdienstkreisen hatte einer der berüchtigtsten russischen Mafiosi, Semjon Mogilewitsch, über die Handelsgesellschaft „RosUkrEnergo“ seine Hände im Spiel.

1946 in der Westukraine geboren, studierte der aufgeweckte Student an der Lemberger Universität Wirtschaftswissenschaften. Der erste „Kidok“ (Betrug) glückte ihm mit ausreisenden Juden während der Herrschaft Gorbatschows. Wer so schnell wie möglich in die USA kommen wollte, machte etwa seine Antiquitäten am schnellsten beim Händler Mogilewitsch zu Dollar. So machte er riesige Gewinne, mit denen er seine Import-Export-Firma „Arbat International“ gründete. In Moskau fand Mogilewitsch in Wjatscheslaw Iwankow einen Partner, der jedes Vakuum in den Gesetzen ausnutzte.

Neuer Pass und neue Geschäfte

1990 emigrierte Mogilewitsch nach Israel. Dort kam er nicht nur zu einem zweiten Pass, sondern auch zu neuen Geschäftsideen. So geriet der Umtriebige erstmals ins Visier der Staatssicherheit, als er Panzer und Boden-Luft-Raketen an den Iran verkaufte. Zweistellige Dollar-Millionen fielen für ihn dabei ab. Waffen blieben seither in Mogilewitschs Sortiment. 1998 hieß es bei Interpol und FBI, ein großer Teil der Militärindustrie des neuen Nato-Mitglieds Ungarn stände unter Einfluss des Mannes in Moskau. Was wohl auch an dessen Ehe mit der Ungarin Katalin Papp lag. Sie brachte Mogilewitsch seine dritte Staatsbürgerschaft.

In Budapest errichtete er einen neuen Stützpunkt für sein Handelsimperium. Teilhaber in Italien, Deutschland und den USA meldeten prima Geschäfte. Doch während die Kumpane bald in Zellen hausten, kam der Drahtzieher davon. Während der chaotischen 90er Jahre in der Ex-UdSSR knüpfte Mogilewitsch beste Verbindungen zum Transportministerium der Ukraine. Er sorgte dafür, dass trotz häufiger Energieblockaden an der russischen Grenze die Wirtschaft in Kiew florierte.

Ins mittelasiatische Drogengeschäft kam der Mafioso über den Kauf einer bankrotten Fluggesellschaft. Für FBI-Ermittler wurde er so zum Weichensteller des gesamten Rauschgifthandels durch Moskau in den Westen.

Seine Dachorganisation blieb der Diebstahl und Schmuggel von Kunst. Museen, Kirchendepots, Synagogen - buchstäblich grenzenlos wurden ständig Raubzüge organisiert. Stolz war Mogilewitsch auf einen Restaurationsbetrieb in Budapest. Nichts ahnende Sammler aus ganz Osteuropa erhielten nur Fälschungen zurück.

Auch in den USA ist er ein gemachter Mann. Über dort gegründete Unternehmen wusch er nicht nur Geld aus dem Drogenhandel und der Prostitution. Zugleich perfektionierte er das Bestechen von Beamten. Zu welcher Meisterschaft er es darin brachte, hat angeblich der deutsche Bundesnachrichtendienst erfahren. Der BND soll 1998 eigene Leute aus Moskau abgerufen haben, weil der Pate bessere Informationen zum organisierten Verbrechen versprach. Korrumpierte Mitarbeiter in russischen Diensten versorgten ihn mit Material, das er auch Belgien und Österreich übermittelt haben soll. So verschaffte er sich vermutlich auch dort einen freien Rücken.

Dafür ist er inzwischen zweimal in Russland vorbestraft, was ihn nicht daran hinderte, vorübergehend als Bankier zu glänzen. Und dass ihn das FBI zu den weltweit meistgesuchten Verbrechern zählt und der ukrainische Geheimdienst ihn für den übelsten Nutznießer bei allen Gas- und Ölabkommen hält, scheint den Paten nicht im mindesten zu stören.