KREIS EUSKIRCHEN/LIND – „Die tiefe Hinwendung zu Weihnachten mit dem Zauber der Krippe begleitet mich seit Kindertagen“, sagt Willy Daufenbach. „Deshalb kam nur eine authentische Krippen-Kapelle in Betracht, um das historische Versprechen meiner Mutter in die Tat umzusetzen.“Margarethe Daufenbach gelobte demnach im Winter vor Beendigung des Zweiten Weltkriegs, dass sie nach gesunder Heimkehr ihrer beiden Söhne aus Dankbarkeit zu Gott eine Kapelle errichten würde. „Leider starb Hans 1946 an einer Blutvergiftung. Damit übernahm ich die Erfüllung von Mutters Wunsch“, erinnert sich der heute 88-jährige Bruder Willy.
Jahrzehntelang war der Euskirchener Großspediteur auf der Suche nach würdigen Kapellen-Objekten und angemessenen Standorten, bis er mit seiner Frau Dorothea im Salzburger Land dem Holzskulpturen-Schnitzer Max Kössler begegnete. Der österreichische Bildhauer führte den vitalen Rheinländer auf eine Alm in 1500 Meter Höhe zur dortigen Hirtenkapelle. Daufenbach: „Ich war regelrecht verzaubert. Spontan folgte der Entschluss für einen Nachbau in unserem Zweitwohnsitz Lind, am Rand des Ahrtals.“
Eine imposanteHeilige Familie
Helmut Hengsberg, Bürgermeister der „Lonner“, war von dem Vorhaben des Ehepaars Daufenbach gleichermaßen angetan wie sein Stellvertreter Herbert Lanzerath nebst Gemeinderat und nicht zuletzt Pfarrer Volker Dupont. Unbürokratisch rasch stellte die Ortsverwaltung für das Stiftungsprojekt ein freies Grundstück in signifikanter Höhenlage zur Verfügung.Es war keine Frage, dass Willy Daufenbachs einzige Bedingungen für das Ende 2005 begonnene Bauvorhaben Zustimmung fanden: Alle Baustoffe und beteiligten Firmen müssten aus der Region kommen. Die Ausnahme bildete Holzkünstler Max Kössler mit seiner Werkstatt in Bad Hochgastein bei Salzburg.
Im September 2006 bereits wurde das kleine Gotteshaus auf der Linder Höhe feierlich eingesegnet. Bewunderung erfährt reihum bei Besuchern Max Kösslers exakt 2,20 Meter breite Altarplastik. Der Bildhauer kreierte aus sechs naturbelassenen Holzblöcken in gegenständlicher Form die imposanten Figuren der Heiligen Familie sowie eines Hirten und Verkündungsengels, die 1,20 bis 1,50 Meter hoch sind. Seit wenigen Monaten werden Jesuskind, Maria, Josef mit Hirte und Engel von den kleinformatigeren wie farbigen Heiligen-Statuetten Dorotheas und Wilhelms flankiert: Es sind die Namenspatrone der Eheleute Daufenbach. Zu den sechs schlicht gehaltenen Bankreihen in der Gebetsstätte mit Natursteinsockel pilgern keineswegs nur Einheimische während der Adventszeit. Ob Frühling, Sommer, Herbst – immer mehr Wanderer aus der übrigen Eifel und dem Köln-Bonn-Düsseldorfer Raum oder gar Koblenz-Mainz machen sich zum „Geheimtipp“ der Krippen-Kapelle (ohne Zeitlimit geöffnet) auf den Weg.
„Die scheinbar anspruchslose Umwelt hier ist reich an verborgenen Schätzen und Erkenntnissen“, urteilt der rheinische Heimatchronist Roland Reischl: „Kapellen-Gebäude samt Krippe, Höhenlage plus Weitblick machen aus Lind einen Wallfahrtsort mit unvergleichlich meditativem Charakter, der alle Anlauf-Mühen rechtfertigt.“Zurück zur biblischen Botschaft unserer Tage: „Der Begriff ,Krippe“ ist ein Wort aus der Landwirtschaft und steht für einen Ort, an dem Tiere ihre Nahrung bekommen“, erinnert Achim Haag, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenahr: „Menschen benötigen ebenfalls Krippen, brauchen Orte, an denen sie sich stärken können – in der Weihnachtszeit und auch im zunehmend hektischer werdenden Alltag.“Solch ein meditativer Platz ist die von Willy und Dorothea Daufenbach in privater Initiative erbaute Krippen-Kapelle mit der sie umgebenden Aura längst. Gibt es über die sogenannte dunkle Jahreszeit hinaus ein leuchtenderes Christtagsgeschenk?
www.lind-ahr.de
