HÜRTH – Wer die Keramikfiguren von Susanne Kreische anschaut, muss bei ihrem Anblick unwillkürlich lächeln, sogar lachen. Denn die Hürther Keramikerin fasst den Humor gerne in Ton.
Da grinsen Frösche breit und zeigen Zähne, die sie in der Natur nicht haben. Engel mit goldenen Flügeln tragen Handtaschen, als wollten sie ausgehen. Dreht man einen rundgesichtigen Mann mit Schnäuzer und Haarkranz, dem aus dem OP-Hemd Flügel wachsen, um, ist ein blanker Popo zu sehen. Lang und spitz ragt die Nase einer lachenden Frau unter der Schwimmkappe hervor. Ein badender Herr hat Pausbäckchen und eine Knollennase.
Noch immer leicht ungläubig hört Susanne Kreische vom Erfolg ihrer lustigen Keramiken beim Döppe- un Buuremaat in Brühl. Zum vierten Mal hat sie teilgenommen, ansonsten ist sie gelegentlich beim Blumenmarkt am Kölner Tanzbrunnen dabei, in der Adventszeit auch wieder beim Luciamarkt im Winzerdorf Rech an der Ahr. „Das Publikum schaut sich meine Keramik genau an“, stellt sie jedes Mal fest, andererseits aber auch, dass nicht jedem Töpfermarktbesucher ihr augenzwinkernder, mitunter ans Makabere grenzender Humor gefällt.
„Die sind aber hässlich“, hörte sie Betrachter sagen. Andere wiederum amüsierten sich über die liebevollen Überzeichnungen der Gesichtszüge ihrer Figuren. Den Anstoß für eine Serie von Figuren mit Handtasche und sitzenden Frauen gab eine Freundin, die am Urlaubsort Ähnliches gesehen hatte. „Kannst du mir so etwas machen?“, fragte sie. Susanne Kreische war anfangs skeptisch, fand bald aber Gefallen daran - und Kunden.
Inzwischen bevölkern Badefiguren Zinkbadewannen und sogar den Teich im Garten der Familie Kreische. Dazu kommen allerlei Tiere, vor allem Frösche in allen Größen und Vögel mit langen Schnäbeln. Manche Figuren bestehen nur aus Kopf und einzelnen Körperteilen wie die wasserspeiende Badende in einer Zinkwanne, die sich mit den Händen am Wannenrand festhält. Einer weiteren Wanne mit Kopf eines Badegastes entsteigt ein übergroßer glänzend grüner Frosch. Zinkwannen besorgt sich Susanne Kreische vom Sperrmüll oder ersteigert sie im Internet.
Das Handwerk lernte sie neben ihrer Berufsausbildung bei einer Hürther Töpferin. Heute arbeitet die kaufmännische Angestellte in jeder freien Stunde in ihrer Werkstatt - „da kann ich total abschalten“, sagt sie. Susanne Kreische hatte bereits mehrere Hausausstellungen veranstaltet, als eine ehemalige Mitschülerin vom Gymnasium Bonnstraße den Döppe- un Buuremaat in Brühl erwähnte und meinte: „Das wäre bestimmt auch was für dich.“
Markenzeichen von Susanne Kreische ist die rote Schürze mit weißen Punkten. In Rot oder Blau mit großen weißen Punkten sind oft auch ihre lustigen Figuren gekleidet, weil solche schlichten und klaren Muster ihrer Schöpferin selbst gefallen. In Ton gefasst hat sie deshalb die frühere Badekappe ihrer Mutter, denn gerne erinnert sie sich selbst an die Zeit, als Badekappen mit aufgeklebten bunten Gummiblümchen in Mode waren und ihre Mutter solch eine Kopfbedeckung beim Baden trug.
Bei allem Schaffen gilt für Susanne Kreische: „Wenn ich für jemanden arbeite, dann muss mir die Arbeit selbst gefallen, und ich muss sie mit gutem Gefühl in meinem Haus aufstellen, bis sie abgeholt wird.“
