BERGISCH GLADBACH. Dass wir ständig von erschreckenden Meldungen aus Wirtschaft und Industrie bombardiert werden, gehört im Frühjahr 2009 zu den Realitäten, die Belegschaften und Unternehmer unter Druck setzen.
Auf den ersten Blick war ein großes Interesse an der diesjährigen Mai-Kundgebung auf dem Konrad-Adenauer-Platz aufgrund der großen Besucherzahl zu verzeichnen. Abgesandte aus Betrieben und Gewerkschaften nutzten die Gelegenheit der öffentlichen Versammlung, um den aktuellen Blutdruck offen darzulegen, und dieser Befund war alles andere als beruhigend.
Das Erschreckende an den Berichten von Ernst Gondolf, Betriebsrat in der Firma Scharrenbroich aus Overath, Dr. Gerhilt Dietrich (Verdi) und Betriebrätin Monika Gippert (Verdi Stadt Bergisch Gladbach) lässt sich an zwei Beispielen festmachen: Das Overather Unternehmen Karl Scharrenbroich, traditionsreiche Firma in der dritten Generation, ist von der Wirtschaftsentwicklung als Autozulieferer besonders hart betroffen. Bereits seit drei Jahren schrumpft die Belegschaft dadurch, dass alle Zeit- und Leiharbeiter entlassen wurden, in diesem Jahr aber bereits Entlassungen von zehn Prozent der Stammbelegschaft zu verzeichnen sind. Die Krise schlägt als Keule zu in Form von Einfrierung der Real-Löhne, Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld und aktuell Kurzarbeit für 60 Prozent der Beschäftigten zu. Dies bedeutet eine Einbuße von real 40 Prozent des Netto-Einkommens für die Belegschaft.
Ähnlich ergeht den Beschäftigten bei Greifzug (Bergisch Gladbach), Marktführer weltweit in der Entwicklung und Produktion von Hebezeugen und Bühnentechnik. Der französische Besitzer leitet sein hiesiges Unternehmen aus der Ferne und nimmt keine Rücksicht auf die Belange der Belegschaft. Durch Wegfall von Subventionen und Abhängigkeit von Großkunden ist auch hier die Auftragslage dramatisch geschrumpft und so wurden als erste alle jungen und sogar ausgebildeten Zeit- und Leiharbeiter entlassen. Das Hauptproblem sieht Betriebsrat Volker Elsen im Verfall des Qualitätsanspruchs für Produkte. Nur die Masse zählt, um den Umsatz zu garantieren.
Alle Teilnehmer der Kundgebung, bei der Wolfgang Bosbach (CDU) anwesend war, waren sich der Bedeutung des Dialoges bewusst. Wolfgang Uellenberg-van Dawen von der Verdi-Bundesverwaltung rüttelte in seiner Mai-Rede die Anwesenden auf, trotz düsterer Perspektiven mit Optimismus an der Gestaltung der Zukunft mitzuarbeiten und die Zeit zu nutzen, um staatliche Fördergelder sinnvoll in Ausbildung und nachhaltige Zukunftsplanung zu investieren.