Noch heute ist der Boden im Gebiet des Hürtgenwaldes durchsetzt mit Granatsplittern oder gar Blindgängern, Zeugen einer Schlacht, die zwischen November 1944 bis Februar 1945 dort tobte.
HÜRTGENWALD. Die Schlacht soll auf amerikanischer Seite 55 000 und 12 000 Tote auf deutscher Seite gefordert haben. Allerdings sind die genauen Zahlen nicht einmal bekannt. Stimmen sie nur annähernd, hätten die Amerikaner hier mehr Verluste zu beklagen gehabt als im gesamten
Vietnam-Krieg.
Am 2. November, am Allerseelentag, begann die furchtbare Schlacht. Die Kämpfe im Hürtgenwald und entlang des Westwalls gehören jedoch zu den letzten großen Mythen des Zweiten Weltkrieges. Als längste Schlacht auf deutschem Boden oder Verdun in der Eifel ist die Schlacht in die Kriegsgeschichte eingegangen. Hemingway, der als Kriegsberichterstatter seinerzeit vor Ort war, schrieb ein Buch über die Hölle im Hürtgenwald. Er nannte die Waldgebiete Wälder, in denen die Drachen hausen.
Noch heute spricht die offizielle US-Militärgeschichte vom Hürtgenwald als schwarzgrünem Ozean aus Wald, in dem Hänsel und Gretel vom Weg abkamen. Die Allerseelenschlacht bei Vossenack und Schmidt wird als amerikanisches Desaster gelehrt. Bis heute rätseln Militärs und Historiker, was die amerikanischen Generäle dazu brachte, die Route Richtung Rur und Rhein durch das bergige und unzugängliche Waldgebiet der Nordeifel zu nehmen.
Um den Mythen und Legenden auf den Grund zu gehen, hat es sich ein Filmteam zur Aufgabe gemacht, die wahren Hintergründe der Schlacht im Hürtgenwald zu erforschen: Achim Konejung als Drehbuchautor, Aribert Weis als Regisseur und Jürgen Teves als ausführender Produzent. Sie stellten in Kleinhau im Hürtgenwald ihren 108-minütigen Dokumentarfilm You enter Germany der Öffentlichkeit vor.
Wir haben zweieinhalb Jahre Fulltime gearbeitet, so Achim Konejung und berichtet von den äußerst schwierigen Recherchen und Mühen der Dreharbeiten. So habe es beispielsweise über ein Jahr gedauert, bis er in den US National Archives in Washington fündig wurde und für seine Geduld mit bislang unveröffentlichten Filmaufnahmen belohnt wurde. Weder die deutsche Nazipropaganda noch die amerikanische Berichterstattung erwähnten nämlich damals offiziell das Kampfgebiet Hürtgenwald. Bei den Deutschen galt es zu verheimlichen, dass der Feind zu der Zeit bereits die Grenze überschritten hatte; die Amerikaner verschwiegen die hohen Verluste, erklärt der Autor.
Eindrucksvoll sind auch die Interviews mit Zeitzeugen und Veteranen, die dabei waren, sowohl von amerikanischer als auch von deutscher Seite. Der berühmte Fotograf Tony Vaccaro (Life!), ebenfalls wie alle anderen inzwischen weit über 80 Jahre, ist unter ihnen, ebenso wie der spätere Princeton Professor und deutsche Emigrant Werner Tom Angress. Die von ihnen geschilderten Erlebnisse und Eindrücke bringen die Sinnlosigkeit und Brutalität des Krieges erschütternd zum Ausdruck.
Der deutsche Veteran Kurt Menzel, der gleich zu Beginn der Schlacht seinen rechten Arm verlor, bekennt: Heute bin ich froh, dass ich dort am ersten Tag meinen Arm verloren habe. Ich konnte dadurch keinen Menschen umbringen. Dieser Aussage ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.
Es ist eine meisterhafte Dokumentation entstanden, die fast sachlich und ohne Pathos, jenseits falscher Heldenverehrung über die Kriegshandlungen im Hürtgenwald berichtet und Hintergründe beleuchtet. Wie Regisseur Aribert Weis erklärt, wurden die Dreharbeiten an den Originalschauplätzen ebenfalls im November gedreht. Es waren genau die gleichen Wetterverhältnisse wie damals, erinnert er sich. Alles war nass, kalt und schlammig. Im Film gelingt es, diese Nässe und Kälte, denen die meist jungen US-Soldaten - nur mit Sommeruniformen ausgerüstet - ausgesetzt waren, für den Zuschauer spürbar zu machen. Bei der Vorführung des Films in der Realschule von Kleinhau zeigten sich die zahlreichen Zuschauer zutiefst beeindruckt.