Rösrath – Märchenhaft sieht es hier heute noch aus. Wie ein Hexenknusperhaus steht der Landgasthof Margarethenhöh’ am Waldrand. Das Fachwerk mit Efeu geschmückt, die Giebel gesäumt von farbigen Balken. Ein leicht verwilderter Garten mit großen Bäumen über der schattigen Terrasse. Und dann das Schild am Eingang: „Märchenpark Margarethenhöh’“.„Bis in die sechziger Jahre standen hier im Garten ungefähr zehn Häuschen“, bestätigt Erik Schäfer, der mit seiner Frau Elke hier im Haus seines Großvaters lebt. Dornröschen, Frau Holle, Rübezahl, Hänsel und Gretel bevölkerten die romantischen Laubengänge. „Opa war ein Kauz“, erinnert sich Erik Schäfer. Und so muss, etwa zur gleichen Zeit, als auch in Altenberg die ersten Figuren entstanden, der alte Schäfer seine ersten Märchengruppen aufgestellt haben.
Seit den 30er Jahren war die Margarethenhöh’ ein beliebtes Ausflugsziel für die Städter. „Sie kamen zum Beispiel am Wochenende mit der Linie neun in den Königsforst und wanderten dann nach Rösrath“, weiß Schäfer. Das Lokal wurde zu einer Art Sommerfrische, eine kleine Urlaubsflucht mit romantischen Laubengängen, einem Tanzboden, zwei Weihern und einer Quelle. Im Winter konnte man sogar Schlittschuh laufen. Opa Schäfer, von Beruf Kunstmaler, ließ die Figuren von einem befreundeten Schreiner herstellen, vermutlich nach seinen eigenen Vorstellungen. Eine einzige ist übrig und steht verwittert vor einem Schuppen: ein etwas derb wirkendes Rotkäppchen mit blonden Zöpfen und einem ziemlich großen, schwarzen Wolf. „Mein Vater hat den Park nicht mehr gepflegt“, sagt Erik Schäfer. In den Siebzigern zerstörten Vandalen die Märchengruppen, Großvater machte den Garten dicht und beobachtete die Vögel. Seit es die Autobahn gibt, ist die Margarethenhöh’ ein bisschen aus der Welt gefallen; die Wanderer wandern woanders, in der Gaststube treffen sich hauptsächlich Anwohner.
Doch vor ein paar Monaten hat Marlene Jablonski das Lokal übernommen, das die Schäfers mit viel Gespür für die Harmonie von Historie und Moderne renoviert haben. Jetzt schmücken alte Fotografien des Gasthauses und des Märchenparks die Wände der lichten Stube. Die Pächterin, eine herzliche, erfahrene Gastwirtin, hat sie vom Rösrather Geschichtsverein organisiert: „Ich möchte an die schöne Vergangenheit dieses Ortes anknüpfen“, sagt Marlene Jablonski. „Es wäre toll, wenn die Margarethenhöh’ auch wieder eine Einkehr für Wanderer, Radler und Erholungssuchende würde.“ Die Speisekarte ist schlicht und frisch: Steaks, Schnitzel, Salate, Flammkuchen, donnerstags Reibekuchen. Durch die großen Fenster und von der Terrasse blickt man satt ins Grüne. Ein verträumter Ort – mit märchenhafter Vergangenheit.
Gasthaus Margarethenhöh’,Gerottener Weg 35, 51503 Rösrath, Tel. (0 22 05) 58 78. Geöffnet tgl. ab 16 Uhr, Sonn- und Feiertag auch von 10-14 Uhr.