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Lautes Schlürfen entlockt feine Aromen

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VerschiedeneTeesorten

MECKENHEIM. Thomas Holz liebt und lebt für den Tee. Der 48-jährige gebürtige Hamburger ist ein so genannter Tea-Taster, ein Teekoster. Als Geschäftsführer im Bereich Handel von Tee Gschwendner in Meckenheim entscheidet er beziehungsweise seine Zunge, welchen Tee das Unternehmen einkauft und in einem seiner mehr als 130 Tee-Läden weltweit anbietet. Tea-Taster kann man nicht lernen wie Dachdecker oder Maler. Viel Erfahrung und ein sensibler Geschmackssinn sind Grundvoraussetzung und können nur im Laufe von Jahren erworben werden.

Mit Tee kam Holz in seiner Kindheit eher seltener in Berührung. Im Elternhaus in Hamburg duftete es morgens nach Kaffee. Als aber in den 70er Jahren die ersten Aromatees in den Jugendheimen mit Kandiszucker geschlürft wurden, kam auch Thomas Holz auf den Geschmack.

Nach der Schule machte er eine Ausbildung als Bankkaufmann bei einer Außenhandelsbank. Vielleicht wäre er auch dabei geblieben, wäre er damals in der alten Speicherstadt im Hamburger Hafen nicht in ein Kontor gestolpert, in dem Tee und Gewürze gelagert wurden. Der Duft nahm ihn gleich gefangen und ließ ihn nicht mehr los. Die hier ansässige Teeimportfirma suchte einen kaufmännischen Mitarbeiter, und Thomas Holz sagte der Bank ade. Ein Schritt, den er nie bereut hat. Mit Ende 20 hatte er den größten Teil der Welt gesehen, abseits der Touristenzentren entlegene Teegärten besucht und Erfahrungen im Einkauf und Verkauf gesammelt.

Seit elf Jahren ist Thomas Holz Tea-Taster bei Gschwendner. Ihm macht keiner etwas vor: Von Februar bis November treffen täglich hunderte von Mustern in Meckenheim ein, die im Teeverkostungsraum auf ihre Qualität geprüft werden. Schon an der Farbe der Blätter, ihrer Beschaffenheit und ihrem Duft kann Thomas Holz einige aussortieren. Dann wird eingewogen, weltweit üblicherweise mit einem Six-Pence-Stück, und aufgebrüht. Fünf Minuten müssen die Blätter im heißen Wasser ziehen, dann sind alle Geschmacks- und Farbstoffe herausgeholt. Passionierte Teetrinker dürften diese Brühe kaum runterbekommen, so intensiv, so bitter schmeckt der Tee. Thomas Holz aber, der lautstark schlürft und wieder ausspuckt, weiß erst dann, ob es sich um eine wirkliche gute Ernte handelt.

Viel Zeit bleibt nicht, um mit den Erzeugern über den Preis zu verhandeln. Die Konkurrenz schläft nicht. Rund 10 000 solcher Teemuster werden jährlich bei Tee Gschwendner ausgepackt. Immerhin vertreibt das Unternehmen über seine Franchisepartner rund 1200 Tonnen Tee jährlich. Aufgrund seiner Größe und seines Qualitätsanspruchs kauft Tee Gschwendner vorrangig direkt bei den Teepflanzern, hält Kontakt und würdigt den hohen Aufwand bei Pflege und Ernte der Teeblätter mit entsprechenden Preisen, wie Holz versichert.

Der Hamburger, der seit acht Jahren in der Eifel lebt, aber seinen Dialekt noch nicht verloren hat, ist Überzeugungstäter. Passionierten Kaffeetrinkern schenkt der lebenslustige Mann erst mal einen Darjeeling ein. Das Gegenüber kann nicht leugnen, der Tee in der weißen Porzellantasse sieht nicht nur gut aus, er riecht und schmeckt auch gut. Seine Liebe zum Aufgussgetränk teilen auch seine Ehefrau und die beiden Kinder. Morgens und abends versammelt sich die Familie um die Teekanne. „Es gibt kein vielseitigeres und abwechslungsreicheres Getränk", schwört Holz. Ob sie morgens etwas belebendes, abends etwas beruhigendes trinken möchten und zwischendurch etwas erfrischendes. Tee erfüllt alle diese Ansprüche, schwärmt Holz und verweist auf 400 Sorten Tee, die in der Adventszeit von Tee Gschwendner angeboten werden.

In seinem Büro hängen Fotos aus dem Himalaya. Hier in mehr als 2000 Metern Höhe mit Blick auf die Achttausender wachsen um die Stadt Darjeeling die wertvollsten Teesorten der Welt. In diese entlegenen Gebiete nimmt Holz alljährlich einige der Geschäftspartner des Meckenheimer Unternehmens mit hin. So sollen sie noch mehr über Tee und seinen Anbau lernen. Das sind stets Eindrücke für die Ewigkeit, weil solche Reisen stets auch ein wenig abenteuerlich sind. Im Teegebiet Nilgiri in Südindien leben nämlich wilde Elefanten und Tiger, weswegen die Gäste in Baumhäusern 30 Meter über dem Boden einquartiert werden. Von solchen Erlebnissen können sie ihr ganzes Leben zehren, schwärmt Holz.

Zwar erst 48 Jahre alt, denken Holz und sein Firmenchef Albert Gschwendner schon über seine Nachfolge nach. Wegen der langen Erfahrung die nötig ist, soll der Sohn Gschwendners behutsam in diese Aufgabe hineinwachsen. Wenn denn Holz sich tatsächlich auf sein Altenteil verziehen sollte, dann wohl wieder im Norden. Die Liebe zu Hamburg ist fast so groß wie zu Tee und der schmeckt ihm in der Hansestadt immer noch am besten.