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Lebensretter auf vier Rädern

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GUMMERSBACH. Bernd Warwel aus Bergneustadt kann heute Geburtstag feiern - zusammen mit dem „Gummersbacher Modell“, dem Notarzt-Rettungssystem im Oberbergischen. Genau heute vor 40 Jahren rückte um 15 Uhr der Rettungswagen erstmals samt Notarzt zu einem Unfall nach Brunohl aus.

Bernd Warwel, damals gerade acht Jahre jung, war von einem überholenden Lkw angefahren worden. Er hatte einen Schädelbruch erlitten und lag bewusstlos auf der Straße. Der heute 48-Jährige erinnert sich: „Ich weiß, dass ich nach Osberghausen wollte. Dann ging alles blitzschnell. Ich dachte, ich träume. Später haben mir meine Eltern erzählt, was passiert ist. Meine Verletzungen waren schwer.“

Inzwischen verdanken Tausende im Kreis ihr Leben dem schnellen Einsatz des Notarztes und des Rettungsdienstes. Fachlich qualifizierte Hilfe im Notfall ist heute eine Selbstverständlichkeit. Als 1928 der erste Krankenwagen durch den Kreis brauste, war Rettung im Notfall eher reine Glückssache. Nach dem Krieg versuchte die Militärregierung, das Rettungssystem in geordnete Bahnen zu lenken und stationierte einen Krankenwagen bei der Feuerwehr. 1958 übernahm der Kreis die Organisation und gliederte das Rettungswesen der OVAG an. Über Busfunk konnten die Fahrgäste das Neueste hören - wer gerade schwer krank oder bei einem Unfall verletzt worden war.

Die Idee für das Notarztsystem brachte Professor Dr. Wolfgang Herzog aus Köln mit. Für den frisch gebackenen Chefarzt am Gummersbacher Krankenhaus war es ab 1960 drei Jahre lang ein Kampf gegen Windmühlen, das System auf den ländlichen Raum zu übertragen. Vor allem sei das System nicht praktikabel und viel zu teuer, meinten die Fachleute.

Herzog setzte sich gegen alle Widerstände durch. Der Kreis kaufte Mitte 1963 das erste „Clino“ (vom Volksmund nach dem Hersteller Clinomobil benannt). Es handelte sich um einen umgebauten VW-Bus, der mit den damals modernsten Mitteln der Notfallmedizin ausgestattet war. Den Arzt (Chirurg oder Internist) stellte das Krankenhaus Gummersbach je nach Einsatzmeldung, die Besatzung der Pflegedienst. Die Jungfernfahrt des ersten „Notarztwagens“ (der dritte in der Bundesrepublik) ging an jenem 30. August 1963 nach Brunohl.

Das „Gummersbacher Modell“ setzte sich immer mehr durch, wurde bundesweit zu einer der Grundlagen für das heutige Rettungswesen.

In der Kreisstadt stieg die Zahl der Einsätze kontinuierlich. Es folgte die Anschaffung eines weiteren größeren Fahrzeuges, ein Mercedes 408, in dem gleich drei Verletzte versorgt werden konnten. Der Rettungsdienst bekam Anfang der 70er Jahre sein eigenes Gesicht mit eigenem Personal, eigener Rufnummer und einer eigenen Rettungswache. Was blieb: Den Notarzt stellte weiterhin das Krankenhaus.

„Jede gute Idee versuchen wir umzusetzen, wenn es finanziell in Zusammenarbeit mit dem Kreis irgendwie machbar ist“, meinte zu Beginn der 80er Jahre der damalige Geschäftsführer des Krankenhauses Gummersbach, Helmut Nickele. Viel wurde allerdings auch improvisiert oder durch den „Verein Rettung“ ermöglicht. So bauten beispielsweise damals Mitarbeiter des Rettungsdienstes die Wagen selbst aus, damit Geld für die medizinischen Geräte im Wagen übrig blieb.

Beinahe revolutionär war die Einführung des so genannten Rendezvous-Systems Mitte der 80er Jahre, als Notarzt und Rettungswagen getrennt zum Einsatzort fuhren. Ein System, das sich bewährt hat.

Aus den vier hauptamtlichen Mitarbeitern des Rettungsdienstes zu Beginn der 70er Jahre sind heute 17 allein in Gummersbach geworden, die von insgesamt 20 Hilfskräften und Auszubildenden im Einsatz rund um die Uhr unterstützt werden. Mit einem Tag der offenen Tür am 27. September feiert der Rettungsdienst des Kreises rund um die 1998 eröffnete Wache am Kreiskrankenhaus den 40. Geburtstag des „Gummersbacher Modells“.