PULHEIM. Deutschland-Premiere in Brauweiler: Rund 20 Schülerinnen und Schüler vom Abtei-Gymnasium haben ein halbes Jahr lang das Verhütungs-Musical Baby kann warten einstudiert. Schon bevor die erste von zwei Aufführungen anfing, brandete erwartungsvoller Jubel der 250 jugendlichen und vielleicht 50 erwachsenen Zuschauer auf.
Das Gymnasium ist bekannt für mitreißendes Schultheater. Aber das war es nicht allein. Die jugendlichen Zuschauer wussten, was sie erwartet: eine gute Stunde eingängiger Popsongs, fetzige Rhythmen von der eigens zusammengestellten Leila-Band und vor allem Szenen aus dem eigenen Leben an der Schwelle zur Erwachsenenwelt und damit zur Sexualität.
Aufklärung darüber, wie Verhütungsmittel zu handhaben sind, das brauchen 16- und 17-Jährige wohl kaum noch. Darum geht es auch nicht in dem Musical mit dem Titel Baby kann warten. Vielmehr ist das Thema die Verantwortung und die eigenständige Entscheidung beim Umgang mit Liebe, Lust und Leidenschaft.
So warnt zum Beispiel ein Song: Liebe macht blind! Hauptfigur Leila hat sich zum ersten Mal ernsthaft verliebt. In Moritz, den dasselbe Frühlingserwachen ergriffen hat, und natürlich nimmt der Freundeskreis an diesem interessanten Zustand lebhaften Anteil. Da wird gekichert, da werden lockere Sprüche losgelassen. Die Texte sind jugendliche lässig, der Deutsch-Leistungskurs am Abtei-Gymnasium hat daran mitgeschrieben. Gib Gas, Alter , sagt der noch heftig pubertierende Benny zu Moritz. Eine von Leilas Freundinnen würdigt das Hinterteil von ihrem Lover, was bei den Zuschauern brüllendes Lachen auslöst.
Aber zu keiner Zeit biedert sich das Musical an die Zielgruppe an. Offen werden alle Gedanken und auch Ängste vor dem ersten Mal angesprochen. Eine dramatische Wende nimmt das Musical, als ein falsche Freundin die zarten Liebesbande von Leila und Moritz durchkreuzt.
Das Musical hat die in Solingen ansässige Agentur Stanscheit, die auch die Aufklärungsplattform Leilas Haus im Internet betreibt, im Auftrag des Chemieunternehmens Wyeth Chemicals entwickelt. Im Rahmen eines Wettbewerbs führen 20 Schulen das Singspiel auf.
Zur Premiere in Pulheim überreichte Wyeth-Geschäftsführer Andreas Krebs an Schulleiter Horst Büttner einen Scheck über 1000 Euro für den Kulturverein des Abtei-Gymnasiums. Büttner erhielt außerdem das Lob, einer der innovativsten Schuldirektoren in NRW zu sein, da er diese kreative Form, das Aufklärungsthema an die Jugend zu bringen, ermöglicht hat. Jubel gab es außerdem immer, wenn der Name Thomas Gell fiel. Denn der Lehrer hat als Regisseur die Fäden in der Hand gehalten.
Ende Mai fällt die Entscheidung, ob das Abtei-Gymnasium eine Chance auf den Sieg im Musical-Wettbewerb hat. Nach dem Applaus zu urteilen, sind die Aussichten hervorragend.