Wer profitiert?
Zur Berichterstattung über die bevorstehende Entwidmung der St.-Ursula-Kirche in Hürth-Kalscheuren erreichten uns diese Zuschriften.
Herr Heinz Mölder spricht von Judas und Pharisäern. Dieser Meinung bin ich auch. Die Äußerung von Pfarrer Lausberg, uns, den Gläubigen, wegen zu wenig Beteiligung an den heiligen Messen nun die Schuld an der Profanierung zu geben, ist ziemlich mies. Hier geht es doch nur um den Gewinn. Wer profitiert, außer dem Bauherrn, davon? Der Käufer ist doch längst gefunden, alles andere waren nur Scheingefechte. Wenn ein Teil des Grundstücks verkauft würde, hätte man das Geld, um die Kirche zu erhalten. Es gäbe wohl noch andere Bauherren als Herrn Reiter.
Mit Pfarrer Bussalb wäre das wohl nicht so leicht gewesen. Deshalb haben gewisse Leute ihn auch weggeekelt.
Elvira Hupp
Hürth
Seele bewahren
Die Entweihung von St. Ursula erfolgt. Sie kann nicht mehr verhindert werden, und doch soll eine Mahnwache vor dem Gottesdienst die Kirche retten. Ich beteilige mich. Zu retten ist zwar nicht das Gotteshaus, wohl aber Geist und Seele von St. Ursula.
Die Gemeinde in Kalscheuren hat in den vergangenen 50 Jahren und davor ein gutes, selbstständiges, fröhliches und aktives Pfarrleben gehabt. Sie hat eine weit zurückliegende, ehrwürdige Geschichte. Ich bin 36 Jahre hindurch als Pastor in ihrer Mutterpfarrei Kendenich ihr Nachbar gewesen und habe viele, viele Bindungen mit den Menschen von Kalscheuren. Ich erinnere mich gern an Gottesdienste und Wallfahrten, Pfarr- und Kindergartenfeste. Diese kleine Gemeinde hatte ein sehr schönes, vielseitiges, familiäres Pfarrleben, und zwar mit eigenem Pastor. Ein Lebenswert, der in der heutigen Bistumsleitung nicht mehr geschätzt wird.
Größere Gemeinden können sich die herzliche Atmosphäre eines kleinen Ortes mit Einbeziehung aller Lebensbereiche kaum vorstellen. Karl Ingenerf, Schuldirektor und Ehrenbürger von Hürth, hat seine Tätigkeit in Kalscheuren als die schönste Zeit seiner schulischen Tätigkeit bezeichnet. Inder Kendenicher Pfarrkirche St. Johannes Baptist wird eine kostbare Schüssel mit dem realistisch dargestellten abgeschlagenen Haupt des Johannes aufbewahrt und verehrt: ein Geschenk der Pächter (Halfen) des Kalscheurener Hofes aus dem Jahr 1682.
Der gute Geist der Vergangenheit muss erhalten bleiben. Kalscheuren hat aber auch Zukunft. Der Name Ursula lebt weiter. Es bleibt die Ursulastraße - und seit einem guten Jahr trägt das Altenzentrum der Caritas an der Friedrich-Ebert-Straße in Hermülheim auch diesen Namen. Dort befindet sich bereits vor der Hauskapelle die Glocke der früheren Notkirche. Und die Ursula-Bläser - mit mit befreundet seit 30 Jahren - haben Heiligabend im letzten Jahr nicht nur auf den Straßen in Kalscheuren Weihnachtslieder gespielt. sondern auch dort im Altenzentrum St. Ursula, und sie werden auch beim Ursulafest in unserem Haus am 21. Oktober 2006 mitwirken. Das steht. Auch zur sonntäglichen Frühmesse um 7.30 Uhr kommen regelmäßig einige Ursulaner.
Nehmen wir in Würde Abschied von der Kirche, dass Geist und Seele von St. Ursula keinen Schaden nehmen. Wir im Altenzentrum suchen bei jedem Gottesdienst den Schutz dieser Hohen Frau und haben dabei ihre Lebensgeschichte in wundervollen Glasbildern vor Augen. Die Kalscheurener Ursulaner mögen es uns gleicht tun. Kalscheuren möge auch ohne eigenes Gotteshaus seine Seele bewahren.
Rudolf Kusch, Pfarrer i. R.
Seelsoger am Altenzentrum
St. Ursula, Hürth