BEDBURG – Wenn am Mittwochabend auf RTL die fünfte Ausgabe der aktuellen Staffel von „Let’s Dance“ läuft, werden die Freunde von Christine Ladda ganz genau hinhören. Ja, hören, nicht sehen. Denn während mehr oder weniger Prominente in der Show um Punkte im Tanzwettbewerb kämpfen, sorgt unter anderem die Bedburgerin für die passende Musik. Und das nicht zum ersten Mal.
Jeder könne einen hören, „aber keiner weiß, wer es ist“, sagt die Sängerin. „Vor kurzem hat mich bei ,Nur ein Wort’ von Wir Sind Helden nicht einmal meine eigene Mutter erkannt.“ Christine Ladda lacht. Vor einem Millionenpublikum unerkannt zu bleiben, das mache ihr nichts aus, versichert sie. Es gehe um den Tanz, „nicht um den Gesang“.Doch da muss Dieter Kirchenbauer widersprechen. Er hält große Stücke auf die Sängerin, vor allem auf ihr Talent, auf den Punkt Qualität abzuliefern. Und Kirchenbauer muss es wissen: Der Musiker und Komponist steckt als Produzent hinter ganz vielen Titeln, die derzeit bei „Let’s Dance“ gespielt werden. Und jeder einzelne ist ein Unikat, das es, zum Leidwesen vieler Fans, nirgendwo zu kaufen gibt.
„Bei Turniertänzen müssen die Titel kürzer sein, man muss sie auf das Wesentliche reduzieren“, erläutert Kirchenbauer. Viel wichtiger noch: Aus „Somewhere Over The Rainbow“, ein Stück im Viervierteltakt, „muss schnell mal ein Walzer werden“. Und auf den Klassiker „Volare“ wird in der heutigen Sendung sogar Samba getanzt. Das geht nur mit kompletten Neuinterpretationen.
Neben einem Kölner Studio haben die Verantwortlichen der Show sichDieter Kirchenbauer für diese Aufgabe ausgeguckt. Dabei komme es vor allem auf die Fähigkeit an, „zu liefern“, wie es der Produzent selbst nüchtern ausdrückt. Reputation alleine nutze wenig. „Das ist eine Live-Show. Dafür muss man in der Lage sein, einen x-beliebigen Titel in Windeseile umzusetzen“.
Und so sind zuweilen 15 Lieder gleichzeitig im Bedburger Studio in Arbeit. Wer für welchen Song als Interpret in Frage kommt, entscheidet sich nicht zuletzt an der Stimmfarbe. Ein gutes Dutzend Leute habe er in seinem Pool, sagt Kirchenbauer, darunter Michael Dorp („Thin Crow“) oder Ande Roderigo von seiner eigenen Band „Hard Days Night“.
Diese muss bis zum Ende der TV-Staffel erst einmal zurückstehen, auch als Musiklehrer lässt sich Kirchenbauer bis zu den Sommerferien vertreten. Im Moment sei er bis zu zwölf Stunden täglich im Studio, sieben Tage die Woche. Kein Problem für ihn, „vor allem, weil es einen Endpunkt gibt“.
Auch Christine Ladda hat gut zu tun, hat unter anderem „Be My Baby“ zur Dirty-Dancing-Party beigesteuert und zuvor eine Cover-Version eines Liedes von Mireille Mathieu. Ladda singt beides gerne. Und ebenso gerne ordnet sie ihre Kunst dem Format unter.Um die Choreographie zu unterstützen, müsse häufig hier ein spezieller Übergang gesungen oder da eine ungewöhnliche Pause eingefügt werden, sagt sie. Einem Profitänzer wäre es wohl egal, wann sie wo mit ihrer Stimme einsetze, „aber hier tanzen immer auch Laien. Der Song muss ihnen helfen.“
Neben Stefanie Hertel und Lars Riedel hat Ladda bislang vor allem die blinde Sängerin Joana Zimmer als Tänzerin beeindruckt. Zudem Patrick Lindner, der nicht nur sehr gut tanze, „sondern echt sympathisch rüberkommt“. Gleich in der ersten Show hat Lindner mit Partnerin Isabel Edvardsson auf Laddas Interpretation von „What a Wonderful World“ getanzt, auch wenn er das wohl bis heute nicht weiß.Dieter Kirchenbauer ist dieses Wirken im Verborgenen gewohnt. „Ein Produzent sollte hinter der Kunst stehen, im doppelten Sinn“, sagt er nur. Christine Ladda dagegen steht als Sängerin ihrer Formation „acoustic shiver“ oder in zahlreichen Coverbands regelmäßig im Rampenlicht.Nur eben jetzt nicht.
Wenn sie dann aber ihre eigenen Songs im Fernsehen hört, sei das „ganz schön abgefahren“, gibt sie zu. Und ihre Freunde sollten heute ab 20.15 Uhr vor allem beim Carpenters-Klassiker „Close To You“die Ohren spitzen.
