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Letzte Chance in der Naafer Mühle

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LOHMAR. Ein altes windschiefes Gebäude, das den nächsten Winter wohl nicht überstanden hätte. Das war die Naafer Mühle zuletzt. Jetzt ist der teils über 300 Jahre alte Komplex in einer Ecke des idyllischen naturgeschützten Naafbachtals, wo es noch nicht einmal Handy-Empfang gibt, saniert, umgebaut, kurz gesagt: gerettet. Und wenn die Jugendlichen, die dort ab Juni mit Betreuern einziehen, mitmachen, sich am Riemen reißen, ihre vielleicht letzte Chance nutzen, dann können auch sie gerettet werden. Die Einrichtung dient nämlich dazu, drogenabhängige 14- bis 18-Jährige nach ihrer Entgiftung im Krankenhaus wieder auf den Weg zu einer gefestigten Persönlichkeit und in die Gesellschaft zu bringen.

„Eine solche Einrichtung zur Nachsorge, auch um zuvor möglichst kurze Krankenhausaufenthalte zu ermöglichen, fehlte bisher im Köln / Bonner-Raum“, sagte Geschäftsführer Klaus Jöllenbeck von der „Oberbergischen Gesellschaft zur Hilfe für psychisch Behinderte“ (OGB). Die Gesellschaft mit Sitz in Gummersbach betreibt bereits acht Häuser für je bis zu 14 Bewohner mit psychischer Behinderung. 500 psychisch Behinderte, darunter auch Drogen- und Alkoholsüchtige, werden ambulant betreut.

600 000 Euro konnte die OGB für den Umbau der 600 Quadratmeter Nutzfläche lockermachen, aus Spendengeld und Eigenmitteln, die durch sehr ökonomisches Wirtschaften aufgebaut wurden. Vorstand Michael Richter vom Aggerverband, der einst zur Vorbereitung der geplanten Talsperre im Naafbachtal Land und Gebäude aufkaufte, sagte bei einem Ortstermin mit Vertragsunterzeichnung, gern habe er der OGB für 25 Jahre ohne Pachtzins die Mühle verpachtet. Nun bleibe das Gebäude erhalten, und der Aggerverband als Eigentümer brauche noch nicht einmal etwas dafür zu bezahlen.

Größtes Lob von allen Seiten bekam der Remscheider Architekt Jens Mennenöh. Er hat mit seinen Handwerkern eine einzigartige Harmonie zwischen Alt und Neu geschaffen: Den 300 Jahre alten Mühlenteil mit dem sichtbaren Mahlwerk und dem noch auf Sponsorengeld zur Sanierung angewiesenen Wasserrad hat er saniert, die über Eck stehende 150 Jahre alte Scheune umgebaut und beides mit einem lichtdurchfluteten, größtenteils gläsernen Anbau verbunden. Wobei eine einstige Hausaußenwand zur Innenwand wurde.

Zur Freude der Denkmalschützer blieben alte krumme Balken krumm und schiefe Wände schief. Sie wurden unauffällig abgestützt. Wohn- , Schlaf-, Aufenthalts- und Besprechungsräume sowie Badezimmer und Küche entstanden. Bürgermeister Wolfgang Röger sprach von einer gelungenen Einheit von Denkmalschutz, Naturschutz sowie Jugendhilfe und lobte die nach erster Kritik erreichte öffentliche Akzeptanz für das Projekt mit den Jugendlichen, die viele Defizite in der Erziehung aufholen müssen.