EUSKIRCHEN. Die Ruhe auf dem Parkplatz an der Euskirchener Mittelstraße ist trügerisch und Sekunden später wird es gefährlich: Mit gezückten Pistolen stürmen am Montagvormittag drei Männer auf einen Parkplatzbesnutzer zu, drücken ihn in das Kassenhäuschen und fesseln ihn blitzschnell mit einer Handfessel aus Plastik.
Schwere Limousinen rauschen auf der Straße heran, blockieren die Ausfahrt. Weitere bewaffnete Zivilisten rennen auf einen kleinen Audi mit hanseatischem Kennzeichen zu, reißen die Tür auf und zerren den völlig überrumpelten Fahrer auf den Asphalt.
„Wir dachten zuerst an einen Bandenkrieg, weil plötzlich ein Riesenkrach in der Nachbarschaft war. Aber dann haben wir gesehen, dass die Bewaffneten alle gleiche Pistolenholster trugen und uns dann überlegt, dass es sich wohl um zivile Polizeibeamte handelte“, schildert ein Euskirchener, der zufällig Zeuge der spektakulären Aktion in der Euskirchener City geworden war.
Schnellfesseln angelegt
Er und seine Frau beobachten, dass die zwei in Euskirchen wohnenden Männer, die der Türsteherszene zugerechnet werden, mit schwarzen breiten Schnellbindern gefesselt werden. „Den einen haben sie im Kassenhäuschen fixiert. Dem anderen haben sie sofort einen schwarzen Sack über den Kopf gestülpt und ihn an die Wand gelehnt“, berichtet eine weitere Augenzeugin. Während die Polizeibeamten die schweren BMW- und Daimler-Limousinen sowie einen Van mit abgedunkelten Scheiben von der Parkplatzeinfahrt zurückgesetzt hätten, sei ein „älterer Herr in einem weiteren Wagen angekommen“. Der habe die beiden Festgenommenen abgetastet und ihnen ihre Handys abgenommen.
Parkplatzbenutzer berichten, sie hätten zivilen Polizeibeamten ihre Parkscheine aushändigen müssen. Die hätten diese dann in dem Kassenhäuschen, in dem sich einer der Verhafteten befand, entwertet, und wieder an die Unbeteiligten übergeben.
Parkplatz völlig abgesperrt
„Dann erst konnten wir den Parkplatz verlassen. Der war von Zivilkräften völlig abgesperrt“, schildern die Zeugen.
Warum die beiden 30 bis 40 Jahre alten Libanesen festgenommen wurden, dazu war gestern von den Polizeibehörden keine Stellungnahme zu bekommen. Die Euskirchener Polizei ließ lediglich durch ihren Pressesprecher Andreas Blum mitteilen, eine auswärtige Behörde habe ganz kurzfristig einen nicht näher konkretisierten SEK-Einsatz in der Innenstadt angemeldet. Das Sondereinsatzkommando habe sich nach Beendigung der Aktion wieder abgemeldet. „Dazu können wir nichts sagen. Die Kollegen haben uns zur Geheimhaltung verpflichtet“, sagte Blum gestern.
Eine derartige Verfahrensweise sei bei laufenden Ermittlungen üblich, um die Ermittlungsergebnisse nicht zu gefährden. In welche Richtungen die Ermittlungen gehen, sei der Euskirchener Polizei nicht bekannt.
Gestern Nachmittag bestätigte die Pressesprecherin des Bonner Polizeipräsidiums, Daniela Lindemann, dass die Bonner Behörde den SEK-Einsatz angeordnet habe. Wegen des Ermittlungsstandes könne man aber zu dem Einsatzhintergrund keine Stellungnahme abgeben.