Eine fahrende Kuriosität nennt Karl Wilhelm Müller, Präsident des Kölner Autbord- und Motoryacht-Clubs, seine Yacht MS Colorado, die gestern beim Saisonauftakt die Vereinsflotte anführte. Sie hat nicht nur eine denkwürdige Geschichte, sondern ist auch mit allen Schikanen ausgestattet: Die Einbauküche ist vollständig ausgerüstet, im Bad sind Wasserhähne und der Griff der Klobürste aus massivem Gold. Prunkstück des 22 Meter langen Gefährts mit 328 PS ist das Schlafzimmer. Dort umranden Schnitzereien auf spanischen Eichenholztafeln, ein unechter Kamin und Leuchten mit Flackereffekt das ausladende Bett. Die sollen für romantische Stimmung sorgen, sagt Müller lachend.
Das eigenwillige Interieur hat er sich nicht selbst ausgesucht: Mitte der 70er Jahre hatte die ehemalige Kölner Unterweltgröße Schäfers Nas das Boot gekauft und nach seinen Vorstellungen einrichten lassen. Angeblich hat er damit Frauen aus Marokko für seine Bordelle nach Köln befördert.
Im Zweiten Weltkrieg war das Schiff als Minensucher im Einsatz, danach als Ausflugsboot in Frankreich. Die Technik ist immer noch vom Feinsten, sagt Müller. Wenn etwas den Propeller beschädigt, lässt er sich mit einer Vorrichtung unter Wasser gegen einen neuen auswechseln.
Nach Schäfers Tod 1997 lag die Yacht bis 2005 im Rheinauhafen und drohte zu verrotten. Präsident Müller und der Vereinssportleiter Dr. Ingo Bahlmann beschlossen, für das Boot einen Käufer zu suchen. Es gehörte damals einer ehemaligen Freundin Schäfers, der er es gegen eine Hypothek von 600 000 Euro überschrieben hatte. So vermied er, dass das Finanzamt ihm das Schiff wegen seiner hohen Schulden pfänden konnte. Die beiden kauften der Frau die Forderungen für einen geringen Betrag ab. Dazu gründeten sie eine Private Gesellschaft Bürgerlichen Rechts, deren Gläubiger sie zugleich waren, und versteigerten die MS Colorado. Ein Rentner aus Bonn kaufte sie für 41 000 Euro, konnte das Geld dann aber nicht aufbringen. Bei einer Zwangsversteigerung erwarben Müller und Bahlmann die Yacht, die Schäfer für mehrere hunderttausend Mark hatte umbauen lassen, für 13 500 Euro.
Für längere Fahrten wird die MS Colorado heute nicht mehr genutzt. Sie ist ein Liebhaberstück, braucht viel Pflege, sagt Müller, der Interessenten für das legendäre Schiff sucht. Preis: 100 000 Euro.