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Luca darf nicht Lucca heißen

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KÖLN. Witten ist nicht Lucca. So viel steht mal fest. Und kleine Mädchen dürfen in Witten auch nicht den Namen der toskanischen Stadt tragen. Dafür sorgen die Beamten des örtlichen Standesamtes. Seit Juni vergangenen Jahres weigert man sich im nördlichen Ruhrgebiet beständig, einem Elternpaar den Namenswunsch „Lucca Marie“ zu erfüllen. Begründung: Mädchen dürfen nicht Städtenamen tragen.

Auch akribische Recherchen der Eltern, nach denen in Kassel eine Lucca Bärbel und in Frankfurt eine Lucca Carlotta beheimatet ist, konnten die Standesbeamten nicht besänftigen. Vater und Mutter strichen notgedrungen ein „c“ und beließen es bei Luca. Doch zum Glück gibt es für solche Fälle die FDP, deren Landtagsabgeordneter Daniel Sodenkamp sich als Verfechter der Namensfreiheit aufschwang. Er richtete an das Düsseldorfer Innenministerium die Anfrage, warum im Gegensatz zu dieser Amtsschimmelwieherei Verona (!) Pooth ihren Sohn „San Diego“ nennen dürfe.

Gute Frage, schrieb Minister Fritz Behrens zurück - und gab eine klare Antwort. San sei ein gebräuchlicher türkischer Vorname und Diego sowieso. Eher zufällig, nicht aber vordergründig, ergebe sich daraus der Name einer amerikanischen Stadt an der Westküste. Nach gleicher Logik können Kinder also auch als San Sebastian oder San Franzisko in die Welt hinausgeschickt werden. Nur schreibt das Gesetz auch vor, dass Namen verboten sind, die eindeutige Assoziationen wachrufen. Berlin etwa geht halt nicht (wie ist das eigentlich mit Paris Hilton?), Ashley und Whitley sind dagegen in Ordnung, weil die US-Städte ungleich weniger bekannt sind. Am Ende muss immer der Standesbeamte entscheiden.

Innenminister:

Alles recht so

Und Lucca? Der Innenminister bekräftigte die Stadt Witten in ihrem Kurs - aber aus einem anderen Grund. In erster Linie schreibe das Personenstandsgesetz vor, dass Knaben nur männliche und Mädchen nur weibliche Namen tragen dürfen. Empfohlen sei den Standesämtern zur Recherche das internationale Handbuch der Vornamen. Und das weise Lucca (mit zwei „cc“) nur als männlichen Vornamen aus, als weiblichen gebe es ihn nur mit einem „c“. Die Namensgebungen von Kassel und Frankfurt seien schlichtweg mit irreversiblen Versehen der örtlichen Beamten zu erklären.

Im Standesamt Köln, wo Veronas San Diego offiziell eingetragen wurde, habe man die Parallele zum Stadtnamen auch bemerkt, aber nicht für weiter beachtet, erklärt Abteilungsleiterin Angelika Barg. „Ich gehe nicht zuerst von einem Städtenamen aus, sondern gucke, ob der Name hinterlegt ist.“ Und in der Domstadt fühlen sich die Beamten keineswegs an das internationale Handbuch gebunden, sondern vertrauen auf die gleichermaßen internationale Namensdatei „Kabalarian Philosophy“. Den Eltern von Luca Marie hätte man übrigens das zweite „c“ spendiert. In diesem Verzeichnis gibt es Lucca auch als Mädchenname.