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Mädchen quälten 15-Jährige

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Kaum berichtete die Polizei über die ansteigende Gewaltkriminalität, gibt es schon drastische Beispiele: Eine 15-Jährige wurde von zwei Mädchen misshandelt. Und: Die Taschendiebe waren auch gestern wieder aktiv.

Die Ermittler konnten nicht glauben, was ihnen eine 15-jährige Schülerin am vergangenen Sonntag unter Tränen berichtete. Über 17 Stunden wurde die junge Kölnerin von zwei Mädchen misshandelt, erniedrigt und gequält. Erst als die 13 und 15 Jahre alten Täterinnen eingeschlafen waren, konnte die Schülerin barfuß flüchten. Zuvor erlebte sie die schlimmsten Stunden in ihrem Leben.

„Es ist ein sehr extremer Fall“, betont Polizeisprecher Wolfgang Beus. Die aufrüttelnde Geschichte der 15-Jährigen schockte selbst hartgesottene Ermittler und besonders die Beamten des Kommissariates 63 (Jugendkriminalität). Das Martyrium begann für das Mädchen am vergangenen Samstag. Als die Schülerin aus der Bahn ausgestiegen war, wurde sie gepackt und sofort bedrängt. Die beiden Täterinnen durchsuchten die Kleidung ihres Opfers und nahmen ihr das Handy ab.

Erschreckend: Die Hilfeschreie der 15-Jährigen ignorierten mehrere Passanten. „Keiner half. Viele Fahrgäste gingen einfach weiter“, betonte Beus. Anschließend drängte das Duo die 15-Jährige in den Keller eines Hauses. Dort schlug das Paar mit Fäusten auf das Opfer ein und verlangten von ihm, die Kleidung bis auf die Unterwäsche auszuziehen. Anschließend musste die Schülerin die Kleidung ihrer Peinigerinnen anziehen. Nach einer Odyssee quer durch die Stadt - dabei musste die 15-Jährige beispielsweise in einem Schnellrestaurant um Geld betteln - quälten die Mädchen ihr Opfer weiter. In einem linksrheinischen Hotel schnitten sie ihm die Haare ab und zwangen es, seinen eigenen Urin aus einem Aschenbecher zu trinken.

Als die Täterinnen am Sonntagnachmittag eingeschlafen waren, konnte die Misshandelte barfuß flüchten. Ihre Eltern hatten sie bereits als vermisst gemeldet. Wenig später konnten die gewalttätigen Mädchen im Hotel festgenommen werden. In dem Gebäude war die ältere Täterin vom Jugendamt im Rahmen einer Betreuungsmaßnahme untergebracht. Ein Sozialarbeiter kümmerte sich um sie; vergangenes Wochenende hatte die 15-jährige Haupttäterin aber Freizeit.

Die Eltern des Mädchens sind offenbar mit der Erziehung völlig überfordert und baten das Jugendamt um Hilfe. In dem Hotel sollte sie mit anderen schwererziehbaren Jugendlichen auf die richtige Bahn gelenkt werden. Klus Völlmecke vom Jugendamt gesteht ein, „dass dies bislang nicht funktioniert hat“. Wie es mit dem Mädchen nun weitergeht, weiß er nicht.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft sollte die 15-Jährige in Haft gehen; doch dies lehnte ein Haftrichter ab. Zur Begründung hieß es, man wolle dem Mädchen nicht komplett die Zukunft verbauen. Auch Worte wie „letzte Chance“ machten gestern die Runde. „Wir müssen nun weitere Gespräche mit Polizei, Justiz und Sozialarbeitern führen.“ 14 Straftaten (Körperverletzung, Raubüberfälle) gehen seit Oktober 2002 auf das Konto des Mädchens. Das außergewöhnlich brutale Verhalten des Teenagers erklärt Völlmecke damit, „dass das Mädchen Gewalt am eigenen Körper erlebt hat“.