KREIS EUSKIRCHEN. Fast auf den Tag genau vor 50 Jahren ereignete sich an der oberen Erft eine Hochwasserkatastrophe, die bis heute unvergessen ist: Am Abend des 29. Mai 1956 - ein sonniger Maitag mit sommerlichen Temperaturen - setzen starke Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen und taubeneigroßen Hagelkörnern ein. In Bad Münstereifel fallen in kürzester Zeit 72 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. An den Tagen zuvor waren bereits 42 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen.
Der Boden kann diese Wassermengen nicht mehr aufnehmen, so dass der Pegel bei Eicherscheid innerhalb einer Stunde von 0,3 Meter auf 2,12 Meter ansteigt - ein Pegelstand, der an dieser Stelle bis heute nicht mehr erreicht wurde. Zahlreiche Brücken stürzen ein, Ufermauern werden weggerissen und Straßen unterspült. Viele Wohnungen werden unbrauchbar. Besonders hart trifft es die Bürger von Schönau, Eicherscheid, Bad Münstereifel, Iversheim, Arloff, Kirspenich und Kreuzweingarten. Die Schäden an Privateigentum, Landwirtschaft, Infrastruktur und Industrie gehen in die Millionen.
Bereits in den Jahren 1953 und 1955 hatte Hochwasser der Erft in der Region schwere Schäden verursacht. Diese drei Hochwasserereignisse in Folge waren schließlich der Auslöser für Planung und Bau des Hochwasserrückhaltebeckens Eicherscheid, das 1976 in Betrieb ging und seitdem die Unterlieger bis zu einem 100-jährlichen Hochwasser schützt. Dennoch würde ein Hochwasser wie das von 1956 auch heute umfangreiche Schäden verursachen.
Im Gegensatz zu der Wettersituation vor 50 Jahren führen die aktuellen, teilweise ergiebigen Niederschläge an der Erft derzeit nicht zu Hochwasser. Die Niederschlagsintensität der vergangenen Tage war vergleichsweise gering, so dass der Regen größtenteils vom Boden aufgenommen werden konnte, so Experten des Erftverbandes. (eb)