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„Man kann keine Garantie geben“

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BERGHEIM-FLIESTEDEN. Papst-Wahltag, kurz vor 19 Uhr: Andächtig und angespannt steht Tobias Zöller im Wohnzimmer seiner Eltern in Fliesteden vor dem Fernseher. Er hat die Hände gefaltet. „Wer wohl Papst wird“, fragt er immer wieder. Und dann das Ergebnis: Der deutsche Kardinal Ratzinger wird Papst Benedikt XVI. „Schön, schön“, murmelt Zöller. Er freut sich, seine Augen strahlen. „Ich habe Kardinal Ratzinger persönlich erlebt und ihn als bescheidenden und zurückhaltenden Menschen mit messerscharfem Verstand kennen gelernt. Ich freue mich riesig darauf, dass er zum Weltjugendtag kommen wird“, sagt der 26-Jährige, der kurz vor seiner Priesterweihe steht. Seit seiner Erstkommunion weiß der junge Mann, dass er den Priesterberuf ergreifen würde. „Wir hatten damals in Fliesteden den Pastor Dr. Peter Schmedding, der gab den ersten Anstoߓ, erinnert er sich. Doch eine zweite Begebenheit überzeugte ihn völlig: „Als meine Großmutter zu Grabe getragen wurde und ich als Messdiener das Kreuz hielt, fiel die Jesusfigur runter und zerbrach. Und obwohl ich sehr traurig war, musste ich herzhaft lachen. Daraufhin sagte der Kaplan, dass Gott viele Wege kenne, um zu den Menschen zu sprechen und sie zu trösten. Da war ich mir sicher, dass Gott zu mir spricht.“ Doch in der Pubertät kämpfte Zöller mit sich und seiner Entscheidung. Denn er wollte auch gerne klassischer Musiker werden. So spielt er die Oboe sowie diverse Flöten, zudem singt und komponiert er. „Nun kann ich die Musik mit dem Gottesdienst vereinen.“ Doch erst ab dem 3. Juni. An diesem Tag erhält er im Kölner Dom die Priesterweihe, und zwei Tage später hält er in Fliesteden dann seine erste Messe.

Nach dem Abitur studierte Zöller Theologie in Bonn. Er sammelte in zwei Freisemestern in Wien Erfahrung. Nach seinem Diplom 2003 besuchte er das Priesterseminar in Köln, wirkte in seiner Praktikumsgemeinde St. Mariä Empfängnis in Wuppertal-Vohwinkel und erhielt im vergangenen Jahr die Diakonweihe. Mittlerweile hat Zöller keine Zweifel mehr, obwohl er erkannt hat, dass der Priesterberuf anstrengend ist und eine positive Haltung erfordert, gerade auch was den Zölibat betrifft. „Man kann es mit einer Ehe vergleichen. Ich gebe mich Gott hin, wie sich Eheleute ihrem Partner hingeben, für ein Leben lang“, beschreibt er diese Herausforderung. „Man verspricht sich bis zum Tod die Treue, aber man kann keine Garantie geben.“

Seit einer Weile ist er wieder im Priesterseminar, um sich auf die Weihe vorzubereiten. Dort habe er gelernt, ein geistiger Mensch zu werden. Seinen leicht ironischen Humor hat er bewahrt: „Das ist sozusagen mein Trainingslager.“