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„Man muss die Jugend auch was tun lassen“

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Alle Welt schreit nach Nachwuchs. Die „Pänz us aller Welt“ für Kölle. „Man darf nicht nur nach der Jugend rufen, sondern muss sie auch was tun lassen“, fordert Ex-Prinz Michael Pohl, Präsident der Müllemer Junge. Dort wird das in die Tat umgesetzt. Die „Juniörchen“, wie sie liebevoll genannt werden, werden rangelassen, haben sogar ihre eigene Sitzung. 1992 war Michael Pohl Sitzungspräsident der ersten Juniorensitzung, Vorbild war die tärää-Fete des Festkomitees. Seitdem hat sich viel getan: Die Sitzung ist moderner und schneller geworden, die Redner und Stühle mussten raus, dafür mehr Musik rein. Bald feierten 2000 junge Jecke, was auch den Juniörchen Zuwachs verschaffte.

Ende der 80er Jahre sammelte sich ein gutes Dutzend Jugendlicher um den damals 18-jährigen Pohl, die meisten Kinder von Mitgliedern der Müllemer Junge. Bald waren es über 40, dann wurde ein Aufnahmestopp verhängt. „Mehr dürfen es nicht sein, sonst verliert man den Bezug zueinander“, erklärt Pohl. Mit dem Tanzkorps stellt die Jugend etwa die Hälfte der Mitglieder der Gesellschaft. Das Mindestalter bei den Juniörchen ist 18 Jahre (wegen des Jugendschutzgesetzes), Höchstalter sollte zunächst 25 sein. Doch die Jahre vergingen, bald waren Pohl und seine Freunde selbst zu alt. Also setzten sie das Alter hoch, auf 30 Jahre. Heute ist er mit 35 Jahren noch „Ehren-Junior“.

Und auch den allerkleinsten Jecken wird in Mülheim etwas geboten: In der Stadthalle gibt es das beliebte Kinderfest. 600 Pänz lassen sich von Musik, Zauberern und dem Kinderdreigestirn begeistern. Jeder, egal welchen Alters, kann mitmachen. Ob im Tanzkorps, als Page, Herold oder Ratsdiener. Im Dienstagszug hat die Mülheimer Jugend einen eigenen Festwagen, und auch im Rosenmontagszug ist sie dabei.

Jung und Jeck,

hin und weg

Was bei den Müllemer Junge die Juniörchen, ist bei der Großen Kölner die Jugendgruppe „Jung und Jeck“. Von Anfang an dabei war Oliver Solbach. Vor zehn Jahren nahmen seine Eltern ihn mit zur Sitzung in den Gürzenich. Dort hat es ihm gut gefallen, schließlich war er gleich als Page dabei: „Zum ersten Mal auf so einer riesigen Bühne zu stehen war faszinierend. Ich war hin und weg“, erinnert sich der heute 25-Jährige. In der Schule war er mit seiner neuen Leidenschaft damals allerdings Außenseiter. Karneval war „eher nicht so cool“.

Das bestätigt auch die 16-jährige Corinna Wüst, Tochter von Präsident Dr. Joachim Wüst, die bei den Landsknechten tanzt. Ihre Schulfreunde kommen, wenn überhaupt, ihretwegen mit zum Karneval, nicht weil es ihnen gefällt. „Die haben was gegen Karneval“, sagt Corinna über einige ihrer Mitschüler. Doch sie stört das nicht, viele ihrer Freunde hat sie über den Karneval gefunden.

Umgekehrt war das bei Oliver Solbach, der seine Freunde in den Karneval reingezogen hat. So ganz reibungslos lief es bei ihm aber auch nicht. Früher stand er als Page oft bis weit nach Mitternacht auf der Bühne, auch wenn am nächsten morgen eine Mathearbeit anstand. „Da hat es direkt eine Fünf gehagelt, weil ich mit verschlafenen Augen dasaߓ, erinnert er sich heute.