ZÜLPICH. „Meine Firma ist für mich wie ein Kind. Ich muss das Gefühl haben, dass ihre Zukunft gesichert ist.“ Seit etwa fünf Jahren ist Manfred Vetter auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger für seine GmbH an der Blatzheimer Straße in Zülpich, gestern Vormittag setzte er seine Unterschrift unter das dicke Vertragswerk und besiegelte so den Verkauf des Betriebes samt zweier Grundstücke von insgesamt rund 18 000 Quadratmetern. Über den Preis wurde nichts bekannt.
In diesem Jahr wird Firma 40 Jahre alt
Neuer Eigentümer ist die IDEX-Europe GmbH in Erlangen, die mit hydraulischen Rettungsgeräten seit vielen Jahren erfolgreich auf dem Markt ist. Das Mutterhaus des Konzerns, dem jetzt 20 im Prinzip selbstständige Unternehmen in aller Welt angehören, steht in Northbrook / Illinois (USA).
Das Zülpicher Unternehmen mit seinen 85 Mitarbeitern wird weiter unter dem Namen Manfred Vetter GmbH firmieren und feiert Ende Oktober sein 40-jähriges Bestehen. Entlassungen wird es nicht geben, auch keiner der Mitarbeiter hat bisher gekündigt. Den jährlichen Umsatz beziffert Manfred Vetter mit rund 13 Millionen Euro, exportiert wird in über 100 Länder. Weltweit bekannt ist der Hersteller von pneumatischen Artikeln für vor allem Feuerwehr und Zivilschutz insbesondere durch sein patentiertes Hebekissen.
„Nachdem sich mein Sohn gegen die Übernahme der Firmengeschäftsführung entschieden hatte, ging die Suche weiter“, so der fünffache Vater - seine Kinder sind zwischen zehn und 38 Jahre alt. Denn ein Verkauf war für den heute 67-Jährigen von da an beschlossene Sache: „Man wird halt langsamer im Alter und ist auch nicht mehr so risikofreudig. Da ist es schon besser zu veräußern.“ Entscheidend für die Auswahl von IDEX - es gab noch zehn weitere Interessenten - sei gewesen, dass er mit diesem Unternehmen am ehesten einen langfristigen Fortbestand seiner Firma gewährleistet sieht. Vetter: „Ich musste das sichere Gefühl haben, dass meine Firma nicht schon nach vier oder fünf Jahren wieder weiter verkauft wird.“ Das sei er auch den Mitarbeitern schuldig gewesen, von denen einige schon seit Jahrzehnten bei Vetter arbeiten. „Es wird einen nahtlosen Übergang geben“, dafür sorge auch Dipl.-Ing. Armin Braun, vormals Technischer Leiter und jetzt seit zwei Jahren neben Manfred Vetter Geschäftsführer.
Vetter steht weiter als Berater zur Verfügung
„Ich werde natürlich weiterhin als Berater zur Verfügung stehen, doch die Firma selbst werde ich nicht mehr betreten“, sagt Vetter, der als 20-Jähriger seinen Wohnsitz, die Burg Langendorf, erbte, die sich seit 1880 im Familienbesitz befindet. Zu groß wären dann die Emotionen für den gelernten Schreiner, handelt es sich doch schließlich um sein Lebenswerk.
Eigentlich habe er Innenarchitekt werden wollen, erzählt er weiter, doch nachdem er fünf Jahre bei der Firma Grundig gearbeitet und sich dann in Langendorf rund vier Jahre in der Landwirtschaft versucht habe, habe er sich selbstständig gemacht und die Idee seines Lebens gehabt: das Hebekissen. Vetter: „Bei der Arbeit in meiner Firma konnte ich sowohl meine konstruktive als auch meine künstlerische Ader ausleben“, erklärte er seine unternehmerischen Erfolge, die sich auch für die Stadt Zülpich auszahlten. „Rund zehn Prozent der jährlichen Zülpicher Gewerbesteuereinnahme steuert meine jetzt ehemalige Firma bei.“
Nun will sich Manfred Vetter verstärkt um seine Stiftung kümmern, die aus dem Übergabe-Ertrag 1,2 Millionen Euro bekommt. Sie verfügt jetzt über ein Gesamtkapital von 3,5 Millionen Euro, was den Fortbestand der bekannten „Konzerte in der Remise“ auf Burg Langendorf und des „Otto-Dill-Museums“ in Neustadt / Weinstraße sichert. Vetter will zudem weitere Baudenkmäler in Neustadt - zwei Häuser von 1411 und 1445 - und in Zülpich restaurieren lassen.
In der Römerstadt hat er auf dem Mühlenberg das Salentin-Haus erworben, das nun wieder hergerichtet wird. Ein weiteres Gebäude, ebenfalls auf dem Mühlenberg, wird abgerissen und neu erbaut.
Erst will er aber endlich einmal Urlaub mit seiner Familie machen, „den ersten seit zehn Jahren“. Vielleicht geht Familie Vetter in den nächsten Wochen auf Safari: „Das wäre schon was.“