ENGELSKIRCHEN. Die aktuelle Mindestlohndebatte macht beim privaten Postzusteller Bergische Post in Engelskirchen kaum jemanden nervös: Wir haben uns schon lange gegen einen Stundenlohn und für die Vergütung nach Stückzahlen entschieden, verfolgt Klaus Olpen die aktuelle Debatte mit einiger Gelassenheit. Umso mehr, als die diskutierten 9,80 Euro keineswegs Lichtjahre von den aktuellen Löhnen entfernt seien. Sobald das Gesetz konkret wird, müssen wir uns mit unseren Zustellern zusammensetzen, und ein sinnvolles Konzept erarbeiten. Das dann für 35 Zusteller gelten wird.
Das von Eva Maria Olpen geführte Zustellunternehmen am Aggerufer ist trotz bundesweit in der Branche geäußerter Existenzsorgen auf Expansionkurs: Inzwischen stellen wir auch in Bergisch Gladbach zu, heißt es nicht ohne Stolz aus der Geschäftsführung.
Für den Wegfall des Postmonopols Anfang 2008 steht die Bergische Post schon in den Startlöchern: Da sind eigene Annahmestellen geplant, aber auch die Herausgabe von individuellen Briefmarken mit bergischen Motiven. Wir wollen eine Marke mit dem Engelskirchener Rathaus herausbringen, sind aber auch für die Wünsche anderer Gemeinden natürlich offen, verspricht Klaus Olpen.
Die Bergische Post setzt nicht nur auf den Zustellpreis, sondern vor allem auf die Nähe zur lokalen Kundschaft: Wir stellen uns sehr flexibel auf unsere Kunden ein, versichert Eva Maria Olpen. Wenn ein Kunde am Mittag anrufe, könne die Post meist noch am selben Tag erledigt werden. Das junge Unternehmen, das seit vier Jahren am Markt ist, hat sogar schon über einen eigenen Brötchendienst nachgedacht - aber die Idee dann doch wieder verworfen: Da müssten wir ja bei allen Kunden früh morgens an der Tür sein. Das ist schwer machbar.
Eine Postfach-Leerung ist aber heute schon im Programm. Und für das Gummersbacher Kreiskrankenhaus erledigt die Bergische Post die Zustellung für die Pathologie. Und kann sich weitere Angebote in dieser Richtung vorstellen: Wir würden auch gerne Botengänge für die Patienten übernehmen. Ein Pfund, mit dem das Krankenhaus dann wuchern könnte.
Die Vorstellungen von Familie Olpen gehen noch weiter: Service rund um die Kfz-Anmeldung, Botengänge aller Art . . . Ob wir soweit gehen würden wie die Italiener, die sogar Bankgeschäfte als Zusteller anbieten, weiß ich nicht, sieht Klaus Olpen aber durchaus auch Grenzen des Machbaren.