METTERNICH. Nein, der beschauliche 2000-Einwohner-Ort an der Swist ist nicht erst 700 Jahre alt, wie man glauben möchte. Metternich gibt es mindestens schon seit 2000 Jahren, denn die Römer haben hier schon deutliche Spuren hinterlassen. Eine Römerstraße (die hier auch so heißt) quert die Swist, wird zur Bergstraße. Eine alte Wasserleitungs-Trasse wird im Ortsbereich vermutet, römische Trümmerlagen gibt es an den beiden Hauptortseingängen der Landstraße 163.
Dennoch feiert der Ort am Wochenende 25. bis 27. Juli das Jubiläum 700 Jahre Metternich. Wie passt das zusammen? Die erste urkundliche Erwähnung von Metternich taucht vor 700 Jahren erstmals in einer Urkunde auf, in der der Graf von Hülchrath pfandweise Rechte an der Pfarrei und der Vogtei zu Metternich an den Kölner Erzbischof Wiebold von Holte überträgt.
Aus diesem Anlass haben die Metternicher, und hier allen voran der unermüdliche Chef der Dorfvereinsgemeinschaft, Karl Schlepphorst, ein Festprogramm auf die Beine gestellt, das sich sehen lassen kann. Eine weitere Gruppe um den in Metternich geborenen Denkmalschutzbeauftragten der Gemeinde Weilerswist, Hans Walter Rhiem, schrieb nun erstmals ein Buch über den Ort Metternich, der als die Wiege des Geschlechtes derer von Metternich gilt. Jenes Fürsten von Metternich, nach dessen Pfeife der Wiener Kongress im 19. Jahrhundert tanzte. Ein Dorf mit einer interessanten Geschichte also. Ein Dorf, das nun ein Buch von 224 Seiten hat, in dem zwei Dutzend Beiträge die Geschichte zwar nicht lückenlos, aber aus unterschiedlichsten Blickwinkeln facettenartig beleuchten.
So berichtet Hans Walter Rhiem über die Spuren der Römer in Metternich, die Herren von Metternich, die unter dem Muschelwappen den Ottohof bewohnten, oder die Herren von Metternich,die unter dem Löwenwappen auf der Wasserburg Geschichte schrieben. Rhiem schreibt auch über die Pfarrkirche St. Johannes, zeigt Bilder Metternichs aus alter Zeit, beleuchtet zudem das Haus am Hovener Kirchpfad. Natürlich darf Dä Pötz, der Brunnen in der Bergstraße, nicht unerwähnt bleiben. Dr. Horst Bursch, renommierter Heimatforscher und Sprachhistoriker, leitet den Ortsnamen von Metternich aus dem Lateinischen ab und findet Parallelen an der Mosel. Dazu untersucht er den Namen Hovener Hof und die Pfingstmühle.
Metternicher Flurnamen nimmt Karlheinz von den Driesch unter die Lupe anhand einer Urkunde aus dem Jahre 1264, während der Historiker Dr. Thomas Becker das Dorf als rheinisches Dorf in der frühen Neuzeit beleuchtet. Aufschlussreich ist die Geschichte, die der Metternicher Dr. Gabriel Jüssen beisteuerte. Er übersetzte lateinische Urkunden und stellte so Metternicher Pfarrer in schweren Zeiten vor.
Bernd Meyerhoff hat Einwohnerlisten zusammengestellt, erzählt von Metternichern in Heimerzheim und steuert weitere Beiträge zu dem Buch bei. Der verstorbene Bornheimer Heimatforscher Norbert Zerlett seinerseits hat die Bedeutung des so genannten Napoleonskreuzes untersucht. Swist und Swistniederung beleuchtet Rudolf Bölkow, während Luzia Linden die Metternicher Schulchronik schreibt.
Das Kriegsende 1945 arbeitet Dietmar Wiertz auf, während der Weilerswister Standesbeamte Heinz Höver das Leben des Metternicher Bürgermeisters Jakob Brock skizziert. Mit der kommunalen Neugliederung beschäftigt sich Kati Schulz, während Dr. Dieter Schuhmacher das Vereinsleben darstellt.
Das Buch wurde von Hans Walter Rhiem herausgegeben, kostet 12 Euro und ist Im Lädchen an der Meckenheimer Straße nahe der Römerstraße und im Kiosk an der Wasserburgstraße sowie beim Vorsitzenden der Dorfvereinsgemeinschaft Metternich, Karl Schlepphorst, Tel. (0 22 54) 50 99, erhältlich.