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Millionen Mark Firmengeld an der Börse verzockt

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„Eine anspruchsvolle Leseleistung“, lobte der Vorsitzende Richter Dr. Ralf Sossna den Staatsanwalt. Gunnar Greyer hatte die umfangreiche Anklageschrift gegen Ex-Karnevalsprinz Ralf Günther (der 2000 von seinem Wohnort Lohmar „zo Foß noh Kölle“ ging), seine Frau Lydia und Ex-Jungfrau Peter Hansmann in exakt einer Stunde vorgetragen. Die Vorwürfe lauten auf Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr zwischen 1996 und 1999 (Gesamtschaden: 10 Millionen Mark für Günthers damaligen Arbeitgeber Siemens) und Steuerhinterziehung. Günther und Hansmann räumten die Vorwürfe über ihre Anwälte im Wesentlichen ein.

Dass Lydia Günther angeklagt wurde, rief bei Anwalt Reinhard Birkenstock „Verwunderung“ hervor, hatte es doch in der Anklage selbst geheißen, sie sei zwar als Geschäftsführerin bei der Firma Green Office eingetragen, die in den meisten der 70 angeklagten Fälle eine große Rolle gespielt haben soll; als Hausfrau und Mutter von vier Kindern habe sie in Wirklichkeit diese Aufgabe gar nicht wahrnehmen können, sondern ihrem Mann überlassen. Birkenstock kündigte zudem an, er werde die Einstellung des Verfahrens wegen Steuerhinterziehung beantragen.

In 68 Anklagepunkten geht es um die vor zehn Jahren sehr erfolgreiche Idee eines „Computerkoffers“ von Siemens mit Notebook, Drucker und Datenübertragung. Für Außendienstler etwa bedeutete das mobile Büro eine enorme Arbeitserleichterung. Ralf Günther war als Abteilungsleiter Vertrieb für Akquise, Auftragsvergabe und Abwicklung bei Siemens zuständig, ab 1997 praktisch ohne Kontrolle.

Laut Anwalt Birkenstock kam er auf die Idee, mit seinem Freund Hansmann die Firma Disti Data zu gründen. Man fand Subunternehmer, die die begehrten Koffer preiswert bauten, Disti Data stellte Siemens die Produkte mit satten Aufschlägen, aber zu insgesamt marktüblichen Preisen in Rechnung, und Günther zeichnete die Rechnungen ab. Green Office war zum Teil dazwischen geschoben und schrieb Rechnungen an Disti Data für angebliche Consultingleistungen.

In einem Fall sollen 90 PC von Siemens gekauft, aber nicht bezahlt und an Siemens teurer zurückverkauft worden sein. Größter Coup: In einem Geschäft zwischen Siemens und Toshiba über 6 Millionen Mark war Disti Data eingeschaltet; ihr gewährte Ralf Günther bei der Zahlung eine Stundung, die man für Aktiengeschäfte mit dem Geld nutzen wollte. Im ersten Fall machte man 400 000 Mark Gewinn, kurz darauf mit US-Aktien einen Verlust von über 3 Millionen Mark, die Siemens dann fehlten. - Am Montag wird der Prozess fortgesetzt.