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Millionenbetrug mit teuren Leasingautos

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BONN / BORNHEIM. Einst waren die beiden Männer, die jetzt auf der Anklagebank sitzen, erfolgreiche Geschäftsleute: Der Jüngere. 53 Jahre alt, war über viele Jahre selbständiger Spediteur, bis er das Unternehmen durch Krankheit und Trennung von seiner Ehefrau im Jahr 2002 verloren hat. Der zweite Angeklagte, ein 54-jähriger Familienvater, war 15 Jahre lang Geschäftsführer eines Bauunternehmens in Bornheim; der Tod seines Kompagnons im Jahr 2001 brachte ihn und seine Firma mit 18 Angestellten nach und nach in die Schieflage. Die Lebensgeschichte der beiden Männer, die sich zuvor nie begegnet waren, kreuzten sich, als die finanzielle Not sie offenbar bereit gemacht hat, gemeinsam krumme Dinger zu drehen. Davon geht die Bonner Staatsanwaltschaft aus.

Vor dem Bonner Landgericht müssen sie sich seit gestern wegen banden- und gewerbsmäßigen Betruges in 16 Fällen verantworten: Mit hochpreisigen Leasingautos sollen sie einen Schaden über 1,5 Millionen Euro angerichtet haben. Laut Anklage liefen die Betrugsfälle immer nach dem gleichen Muster ab: Bei Autohändlern wurde nach repräsentativen Autos (im Wert zwischen 60 000 und 100 000 Euro) gesucht, die angeblich für die Baufirma geleast werden sollten. Da das Bornheimer Unternehmen solvent schien, gab es auch keine Probleme, die Leasingverträge abzuschließen. Anschließend jedoch wurden der Fahrzeugbrief, der im Original bei der Leasingfirma bleibt, gefälscht und die Edel-Karossen im Internet zu Schnäppchenpreisen zum Kauf angeboten.

Innerhalb eines halben Jahres wurden laut Anklage auf diese Weise 14 Autohändler in Bonn, Köln, Duisburg, Recklinghausen oder Aachen aufs Kreuz gelegt. Der erste Fall spielte sich in Bonn ab: ein Geländewagen für 99 000 Euro gefiel den mutmaßlichen Betrügern. Er wurde gleich zweimal zu Geld gemacht: Einmal wurde er an einen Kunden verkauft; ein zweites Mal an eine Leasingfirma, obwohl es das Fahrzeug gar nicht mehr gab. Nicht aufgeklärt werden konnte, ob die Kunden, welche die unterschlagenen Autos mit gefälschten Papieren gekauft haben, von dem Betrug wussten oder nicht. Bis auf einen Käufer, der gutgläubig war, wird gegen alle anderen ebenfalls ermittelt. In sechs Fällen allerdings sind die Autos verschwunden.

Der Bauunternehmer, dessen Betrieb mittlerweile insolvent ist, schilderte gestern, wie ihn der Mitangeklagte im Juli 2006 angerufen und ein „Angebot" gemacht hat: Er solle mit dem guten Namen seiner Firma Autos leasen, die der andere dann weitervermieten wolle. Die Gewinnspanne käme dann ihm zugute. Was der bis dahin unbescholtene Unternehmer nicht ahnte: Der angebliche „Helfer in der Not" war bereits zu drei Jahren wegen Betrugs verurteilt worden und hatte die Hälfte der Zeit auch in Haft gesessen. Als er auf Bewährung auf freien Fuß kam, soll er sofort wieder straffällig geworden sein. Der Ex-Spediteur, der ansonsten schwieg, erklärte, er habe nach seiner Pleite verzweifelt versucht, wieder auf die Beine zu kommen. Offenbar ist es dem 53-Jährigen nur noch auf kriminelle Weise gelungen: Denn laut Anklage ermitteln bundesweit fünf Staatsanwaltschaften gegen ihn. Der Prozess wird fortgesetzt.