Im Missbrauchsprozess vor dem Kölner Landgericht gegen einen 50-jährigen Reitlehrer aus Lindlar hat eine Zeugin den Angeklagten schwer belastet. Die heute 31-jährige Pferdewirtin aus Aalen war vor zehn Jahren bei dem Angeklagten in die Ausbildung gegangen. Wie berichtet steht der 50-Jährige vor Gericht, weil er eine Reitschülerin missbraucht haben soll. Die Schülerin war zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Taten 13 und 14 Jahre alt.
Gestern berichtete die 31-jährige Zeugin, dass sie sich während ihrer Ausbildung vor zehn Jahren selbst gegen Annäherungen des Reitlehrers habe zur Wehr setzen müssen.
In ihrer Aussage betonte sie ausdrücklich die fachlichen Fähigkeiten ihres damaligen Chefs, sowohl in Theorie als auch in der Praxis. So sei sie in ihrer Ausbildung zunächst sehr glücklich gewesen. Als sie jedoch einmal wegen Problemen das Gespräch mit ihrem Ausbilder gesucht habe, wollte der sich nicht auf dem Hof mit ihr treffen. Stattdessen habe er plötzlich vor ihrer Tür gestanden und sich regelrecht in ihre Wohnung gedrängt. Dort habe sie der Angeklagte bedrängt. Die 31-Jährige sagte aus, dass sie 2001 ihren Ausbilder nur mit einem festen Schlag ins Gesicht von sich habe abbringen können.
Nach diesem Vorfall habe sich das Klima auf ihrer Ausbildungstätte negativ verändert: "Vorher durfte ich gute Pferde reiten, später bekam ich nur noch schwierige Pferde, denen ich vielleicht auch nicht gewachsen war."
Die Folge seien viele Stürze gewesen, teilweise mit anschließenden Krankenhausaufenthalten. "Ich habe viel geweint", beschrieb die Zeugin ihre ständige Zerrissenheit zwischen ihrem Lebenswunsch Berufsreiterin zu werden und ihrer Entschlossenheit sich dafür nicht dem Chef sexuell zur Verfügung zu stellen. "Für ihn war das alles nur ein Spiel", so die Zeugin wörtlich. Der Angeklagte habe ihr auch mit Entlassung gedroht, wenn er keinen Sex von ihr bekäme. Einmal sei sie von einem Pferd schwer gebissen worden.
Zeugin hat Angeklagten vor dem Prozess getroffen
Der Angeklagte habe ihr verwehrt zum Arzt zu gehen und darauf bestanden, dass er sie selbst in der Sattelkammer verarzte. Dafür habe sie sich teilweise entkleiden müssen.
Als weitere Zeugin wurde eine andere ehemalige Auszubildende des Angeklagten gehört. Die heute 35-Jährige gab an, dass sie stets ein gutes Verhältnis mit dem Reitlehrer gehabt habe. Bis heute stehe sie in regelmäßigem Kontakt zu dem 50-Jährigen.
Hellhörig wurde der Vorsitzende Richter Christoph Kaufmann während der Aussage der 35-Jährigen, als sie plötzlich und ohne jeden Zusammenhang erwähnte, dass im Keller des Hauses des Angeklagten kein Teppichboden gewesen sei. "Wie kommen Sie spontan darauf?", fragte der Vorsitzende Richter nach. Hintergrund: Das mutmaßliche Opfer hatte in seiner Aussage den Keller als einen Tatort genannt und auch beschrieben.
Die 35-Jährige konnte auf die Nachfrage des Richters keine Erklärung geben, sie beharrte aber darauf, dass ihre Aussage nicht abgesprochen worden sei. Sie gab aber an, dass es vor ihrer Aussage zu einem Treffen mit dem Angeklagten und dessen Verteidiger gekommen sei. Der Prozess geht weiter. Das Urteil wird für den 21. Oktober erwartet.
