ERFTSTADT. „Ich glaub es nicht“, freute sich vor ein paar Tagen Peter Mumm. Kein anderer als Günter Lamprecht stand da bei ihm vor der Tür. Nach 31 Jahren zog es den berühmten Schauspieler wieder dorthin zurück, wo er 1974 das Reiten lernte: zum privaten Reitstall am Blessemer Schloss.
„Kommen Sie 'rein, setzen Sie sich“, begrüßte der inzwischen 70-jährige Stallbetreiber den seltenen Gast. „Schau mal, wer uns besuchen kommt“, rief er auch gleich seine Geschäftspartnerin Beate Schulz-Matthies zu sich.
„Er hat damals schnell kapiert“, plauderte Mumm dann von alten Zeiten. Noch genau habe er den Tag vor Augen, als Günter Lamprecht bei ihm vorsprach. „Ich muss in drei Monaten reiten können“, habe ihm der Schauspieler erklärt. Und: „Nein, auf einem Pferd habe ich bisher noch nie gesessen.“ „Damals war ich entsetzt“, verriet Mumm. „Das haut nie hin“, habe er gedacht.
„Er hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“, sagte Lamprecht lachend. Was Mumm allerdings unterschätzte, war der Ehrgeiz, mit dem der Schauspieler in die Steigbügel stieg. „Ich hatte den Vertrag ja schon unterschrieben“, begann Günter Lamprecht dann Einzelheiten aus seiner „Reiterkarriere“ zu berichten, als er die Rolle in dem Karl-May-Film „Der Schut“ mit der unbedingten Grundvoraussetzung, reiten zu können, angeboten bekam. „Ich wollte die Rolle unbedingt haben“, erzählte Lamprecht weiter. Er sollte einen Intriganten spielen.
Pferde habe er bis dato aber nur vom Sehen her gekannt. Doch bis Drehbeginn habe er drei Monate Zeit gehabt. „Das war lange genug, um das Reiten zu lernen“, dachte er sich damals und sollte Recht behalten, wenigstens im Großen und Ganzen.
Schon nach wenigen Tagen durfte Lamprecht ins Freiland. Das Drehbuch las er abends, wenn er sich mit schmerzenden Gliedern und wundem Gesäß in seine Kölner Wohnung verkroch. „In einer Szene musste ich auf einem Pferd durch ein Flussbett galoppieren“, erinnerte sich Lamprecht. Und weil er eben nichts dem Zufall überlassen wollte, habe er genau diese Szene dann mit seinem Schulpferd Hartwig geübt.
Das Flussbett hieß Erft, und der Galopp war eher ein langsamer Trab. „Doch einmal drin in der Erft, wollte der Gaul einfach nicht mehr aus dem Fluss raus“, amüsierte sich Lamprecht, auch wenn ihm vor 31 Jahren überhaupt nicht zum Lachen zumute war.
„Das Pferd Hartwig war ein richtiger Wassernarr. Dem hat das so gut gefallen, dass ich ihn überhaupt nicht mehr aus dem Wasser bekam.“ Noch immer erinnert sich Lamprecht an viele Details dieses Ausflugs. „Ich war völlig verzweifelt, als das Pferd im Fluss stand und nicht im Traum daran dachte, auf meine Zeichen zu reagieren.“
Drei Monate verbrachte Günter Lamprecht fast täglich in Blessem mit - beziehungsweise - auf Hartwig. „Doch relativ schnell war mir klar, dass aus mir nie ein Superreiter werden wird“, schmunzelte er. Sein Ziel lautete deswegen: „Ich muss drauf sitzen bleiben und die Richtung angeben, egal was da kommen mag.“
Bei den Dreharbeiten in einem Canyon im spanischen Andalusien war es dann Günter Lamprecht, der erst einmal die Hände über dem Kopf zusammenschlug. „Die hatten dort keine richtigen Pferde, das waren regelrechte ,Bergziegen , Pferde, die vor nichts und niemandem Angst zu haben schienen“, erzählte er. Wie richtige Bergziegen seien die mit ihm auf den Rücken hinauf auf die Berge geritten. „Und ich war nur froh, dass ich gelernt hatte, mich halbwegs aufrecht im Sattel zu halten und die Richtung einigermaßen anzugeben.“