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Mit gutem Ton durch eineinhalb Jahrhunderte

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WIPPERFÜRTH. Als vor 150 Jahren einige Wipperfürther beschlossen, einen Musikverein zu gründen, hatten sie gleich ein prominentes Mitglied in ihren Reihen: Bürgermeister Leo Leonhardt haute kräftig auf die Pauke - im Streichorchester wohl gemerkt, denn ein solches war der Musikverein in seiner Gründungsphase. Für Takt und Wohlklang bei den zwölf Mitgliedern sorgte ein Dirigent mit klangvollem Titel: Militärkapellmeister a. D. Gerichtssekretär Kelch. In der Hochstraße 14 begannen die Proben, und noch im Jahr 1853 gab es das erste Konzert.

Es folgten Proben und Aufführungen bis in die 1870er Jahre. Durch die Kriege Ende der 1860er und Anfang der 1870er Jahre jedoch, in denen auch Mitglieder Militärdienst leisten mussten, litt die Arbeit des Vereins. Von 1870 bis 1874 gab es keine Aufführungen. Danach aber schafften die Musiker es, jedes Jahr ein Konzert zu geben. 1875 kamen auch Bläser dazu.

Eine kleine Krise musste der Verein 1896 durchstehen: Einige Mitglieder verließen kurzerhand das Orchester und gründeten eine Feuerwehrkapelle. Doch innerhalb eines Jahres erholte sich der Verein und trat wieder auf. In den folgenden Jahren konnten die Proben und Konzerte ungehindert weiterlaufen, bis erneut der Krieg hereinbrach.

Während des Ersten Weltkrieges ab 1914 ging die Mitgliederzahl stetig zurück, Proben waren nicht mehr möglich. Doch die Musiker ließen sich nicht beirren und probten schon im Winter 1918 wieder. Durchhaltewillen bewiesen sie auch 1923, als Wipperfürth französisch besetzt war. Unter anderem mussten Zusammenkünfte - also auch Vereinsproben - im Vorhinein gemeldet werden. Die Musiker hatten schließlich die Idee, sich sonntags in Nagelsbüchel zu treffen - dort gab es keine Besatzer.

Von 1924 bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges war die Arbeit des Vereins nicht beeinträchtigt. Während des Krieges von 1939 bis 1945 war es jedoch nicht möglich, den Vereinsbetrieb aufrechtzuerhalten. Aber wieder schafften die Musiker es, die Arbeit aufzunehmen, und trafen sich bereits am 2. Dezember 1945, etwa ein halbes Jahr nach Kriegsende, zu einer Versammlung mit 16 Mitgliedern. Der Verein war nun ein reines Blasorchester.

In der Folgezeit wurde ein neuer Dirigent gefunden: Militärtrompeter Willi Steinbach, der das Orchester bis 1963 prägte. Sein Nachfolger, Professor Franz Willi Neugebauer, war unter anderem Solo-Trompeter des WDR-Sinfonieorchesters und brachte die Musiker zu Höchstleistungen. Unter Leitung von Matthias Wagemann, dem späteren Musikschulleiter, entstand das Jugendblasorchester.

Auch Neugebauers Nachfolger, der Hornist Heinz Bröcker, ebenfalls beim WDR-Sinfonieorchester tätig, legte Wert auf hohe musikalische Qualität. Unter seiner Leitung kamen erstmals Frauen in den Verein, „wobei sie niemals explizit ausgeschlossen waren“, betont Jugendwart Markus Dörpinghaus. Ebenso wie Neugebauer komponierte und arrangierte Bröcker Stücke, die auf die individuellen Fähigkeiten der Musiker zugeschnitten waren. „Unter Steinbach, Neugebauer und Bröcker kam der Verein auf das hohe Niveau, das ihn auch überregional bekannt machte“, sagt Dörpinghaus.

Noch heute spielt der Verein mit 48 aktiven Mitgliedern zwischen 13 und 63 Jahren auch viele schwierige Werke. Mehrfach gewannen Mitglieder Preise beim Wettbewerb „Jugend Musiziert“. In diesem Jahr fahren zwei von ihnen zum Bundeswettbewerb.

Aus Anlass des 150-jährigen Bestehens plant der Musikverein eine Festschrift, die im Sommer erscheinen soll. Am morgigen Samstag lädt er ab 19 Uhr zum Serenadenkonzert auf den Vorplatz am Klosterberg, bei schlechtem Wetter in die Klosterkirche. Nach einem Festkommers am 14. November präsentiert der Verein am 15. November ab 20 Uhr ein Konzert des Bläserensembles „German Brass“.

Und was bringt die Zukunft? Sicher viele Proben: „Im Jahr 2004 wollen wir wieder an einem Wertungsspiel teilnehmen, um uns mit anderen Musikern zu messen“, erzählt Dörpinghaus.

www.mvwipperfuerth.de