Noch vor drei Jahrzehnten glaubte man, mit Hilfe der Antibiotika die Infektionskrankheiten bald ausrotten zu können. Doch da Bakterien zunehmend Resistenzen aufbauen, hoffen Ärzte und Patienten wieder auf „natürliche Antibiotika", also auf die antibiotischen Substanzen der Tier- und Pflanzenwelt. Immer mehr Bücher erscheinen zu diesem Thema. Wenn jedoch Heilpflanzen wie Lavendel, Knoblauch oder Thymian als vollwertige Alternativen zu Penizillin und anderen konventionellen Antibiotika gepriesen werden, ist Vorsicht angebracht.
Karen Martin und Edzard Ernst von der englischen Universität Exeter fanden in einer Übersichtsarbeit nämlich nur wenige Pflanzen, zu deren antibiotischen Effekten brauchbares wissenschaftliches Material existiert. So attackierten wohl viele Kräuter erfolgreich die Bakterienstämme im Labor, doch im konkreten Versuch am Menschen bleiben sie ihre Wirkung schuldig. Wie etwa Knoblauch und Zimt. Sie wurden zwar in mehreren Studien an Menschen ausprobiert, doch - im Unterschied zum Labor - gelang es ihnen dort nicht, der berüchtigten Magen-Bakterie Helicobacter beizukommen. „Dies kann aber auch daran liegen", gibt Prof. Ernst zu bedenken, „dass in den Studien am Menschen andere Zubereitungen verwendet wurden als im Labor." Nichtsdestoweniger: Der griechische Cystus-Sud präsentierte sich in einer Studie der Berliner Charité-Klinik als wirksame Hilfe gegen Rachenentzündungen, wobei er im Unterschied zu üblichen Arzneistoffen wie Hexetidin nicht das Geschmacksempfinden beeinträchtigte. Der Schwarze Tee zeigte sich als Speerspitze im Kampf gegen die Karies, und er half bei Grindflechte, die als Hautinfektion häufig bei Kindern auftritt. Die Öle von Teebaum und ostindischem Baumbasilikum halfen bei Akne, der Vogelknöterich offenbarte sich als Arznei gegen Zahnfleischentzündungen. Und der Honig macht - obwohl er eigentlich ein Süßmittel mit viel Zucker ist - ebenfalls Kariesbakterien das Leben schwer, weil er ihnen das Wasser entzieht. Allerdings kommt dieser Effekt nur zum Tragen, wenn man das Bienenprodukt in extrem hohen Konzentrationen konsumiert, die alltäglich nicht üblich sind.
Als normaler Brotaufstrich hingegen muss Honig als Kariesrisiko eingestuft werden, weil er aufgrund seiner klebrigen Konsistenz länger an den Zähnen haftet als der normale Industriezucker. Dafür hilft Joghurt im Kampf gegen Helicobacter. Laut einer Untersuchung der Universität Taiwan werden nämlich von dem Magen-Parasiten 78 Prozent vernichtet, wenn man ihn bloß mit Standard-Medikamenten behandelt; konsumiert man jedoch gleichzeitig 200 Gramm Joghurt pro Tag, lässt sich dieser Effekt auf 91 Prozent steigern. Der Grund: Das saure Milchprodukt hindert Helicobacter daran, sich an den Magenwänden festzusetzen. Es macht also durchaus Sinn, sich während einer Therapie wegen Magenschleimhautentzündung gleichzeitig einen täglichen Becher Joghurt zu gönnen.