Wie kommt es, dass ausgerechnet das kleine Eifeldörfchen Baasem bereits zum achten Mal der Schauplatz eines Louisiana-Musik-Festivals wurde?
Das liegt daran, dass ein waschechter Eifeler - Klaus Warler aus Baasem - Gründungsmitglied einer Band ist, die die Cajun- und Zydeco-Klänge auch in Deutschland populärer gemacht hat.
Geboren wurde Warler als jüngster Sohn und Bruder von drei Schwestern vor 46 Jahren in Gerolstein. Aufgewachsen ist er in Baasem und lebt noch heute dort in seinem Elternhaus.
Sein beruflicher Werdegang zeugt von viel Flexibilität: Nach zwei Ausbildungen zum Elektroanlageninstallateur und Energieanlagenelektroniker machte er sein Fachabitur, um sich dann für zwölf Jahre bei der Bundeswehr zu verpflichten. So kam er nach Mechernich zur Luftwaffenversorgungswerft 81, um von dort aus eine einjährige Weiterbildung in Alabama (USA) zum Flugabwehrraketen-Elektroniker zu absolvieren. Heute ist er im Bereich der IT bei der Postbank Systems beschäftigt.
Als 13-jähriger Junge wurde ihm eine Gitarre geschenkt. Das Spielen brachte er sich selbst bei. Musikalisch war er durch seine Eltern vorbelastet - Mutter Marianne spielte nämlich Klavier, Vater Peter Klarinette und Saxofon. Seinerzeit schon war er ein großer Fan der Beatles und Rolling Stones. Ihre Songs erarbeitete er sich ohne Noten lesen zu können. Ich hatte nämlich festgestellt, dass ich damit überhaupt nichts anfangen konnte. Das ist bis heute so geblieben.
Ich habe wohl ein recht gutes Gehör - ich höre etwas und kann es sofort spielen, betont er. Seine eigentliche Musikkarriere jedoch begann er im heimatlichen Mandolinenclub, in dem er Gitarre spielte und dem er lange Jahre treu blieb. In den 80er Jahren gehörte er auch der Funk- und Soul-Band Skill an, bis er für ein Jahr in die Staaten ging.
Ab 1985 brachten die Heirat mit Ehefrau Gerlinde und die Gründung einer Familiengründung erst einmal eine mehrjährige künstlerische Pause. Ab 1998 brachte sein inzwischen 19-jähriger Sohn einen neuen Freund mit nach Hause. Dessen Vater war Luitger Fräger aus Kronenburg, der mit seiner Frau Anne der seinerzeit bekannten Band Ace Cats angehörte und der die damals noch unbekannte Musik aus Louisiana bereits kennen gelernt hatte.
Nun scharte er ein paar Eifeler Musiker um sich mit der Prämisse, die Musik auch in Deutschland bekannter zu machen und um schließlich eine eigene Gruppe zu gründen. So entstanden die Cajun Pioneers Anfang 1999. Damals gehörten der Band außer Fräger (Akkordeon) Olaf Mark ewitz (Schlagzeug), Michael Bentele (Bass), Hartmut Hegewald (Geige, Gesang) und Klaus Warler (Gitarre) an. Im Jahr 2004 kam Fräger bei einem Autounfall ums Leben, und auch Markewitz ist inzwischen verstorben. So blieben nur noch drei übrig: Bentele, der übrigens als freischaffender Fernseh-Regisseur alle organisatorischen Dinge rund um die Engagements und die Festivals regelt, Hegewald und Warler. Die Suche nach einem geeigneten Akkordeonspieler als Ersatz für den verstorbenen Fräger verlief zunächst ergebnislos. Für diese Musikrichtung muss man das diatonische Akkordeon beherrschen, erklärt Warler. Das sei recht schwierig zu spielen, weil mit den zehn Knöpfen unterschiedliche Töne erzeugt würden. Schließlich fanden die drei durch Benteles Verbindungen zur internationalen Musikszene den Engländer Chris Hall , einen Meister auf dem Akkordeon. Vor dem ersten gemeinsamen Auftritt in München hatte man sich überhaupt nicht eingespielt. Es klappte dennoch: Der weit über England hinaus bekannte Profi-Musiker war zufrieden mit den deutschen Musikern. Später kam noch der Schlagzeuger Sam Murray aus England dazu. Schon 2001 kam es zum ersten Festival in der tiefsten Eifel, in Baasem. Der Saal der Gaststätte Stahls eignet sich einfach hervorragend für Cajun und Zydeco, so Warler. Es ist fast wie die Dance Halls in Lousiana, kein Backstage, enger Kontakt mit dem Publikum. Überhaupt: Das Ganze Ambiente stimmt einfach.
Seit 2005 nennt sich die Band inzwischen Cajun Roosters und hat bereits mehrere CDs herausgebracht, wovon die erste als beste outside Louisiana weltweit ausgezeichnet wurde.
Bisher war Warler noch nicht persönlich in Louisiana. Zeitmäßig hat es nicht mit allen Bandmitgliedern geklappt, bedauert er, gibt jedoch die Hoffnung nicht auf, dass es in Zukunft doch gelingen möge, direkt in der Heimat des Cajun und Zydeco aufzutreten. Schwierigkeiten vonseiten seines Arbeitgebers Postbank Systems, dafür beurlaubt zu werden, befürchtet er nicht. Mein Nebenberuf wird dort nicht nur toleriert, sondern sogar befürwortet.
Informationen über die Band Cajun Roosters und das C & Z-Festival und allgemeine Themen bezüglich der Cajun & Zydeco Kultur und Musik sind zu finden unter