BRÜHL.Second Hand liegt im Trend, reimt Karin Joswig-von Bothmer. Die Inhaberin von Le Flair, einem Geschäft für Damenoberbekleidung und Accessoires aus zweiter Hand, scheint Recht zu haben. Denn inzwischen finden sich in Brühl fünf Geschäfte, in denen man gebrauchte Kleidung, Möbel, Wohnzubehör und Trödel kaufen kann - nicht in versteckten Hinterhöfen, sondern in guter Innenstadtlage.
Karin Joswig-von Bothmer, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Brühl mit einem 30-Stunden-Job, hatte den Laden in der Belvederepassage vor knapp zehn Jahren als Kundin und Bringerin kennen gelernt. Im Sommer 2003 übernahm sie Le Flair: Ich stamme aus einer Düsseldorfer Konfektionsfamilie und bin eben zu meinen Wurzeln zurückgekehrt, erzählt die Geschäftsfrau. Jede Menge Klamotten hängen auf den Ständern, ordentlich nach Größen sortiert. Vieles wird nur eine Saison getragen, sagt Joswig-von Bothmer.
Die riesige Auswahl zieht auch Publikum aus Wesseling, Erftstadt, Bornheim und dem Kölner Süden an: Second-Hand zu kaufen, ist längst salonfähig geworden, hat die Geschäftsfrau festgestellt, die eine feste Mitarbeiterin und zwei Aushilfen beschäftigt.
Bei Le Flair gibt es Kleidung von Größe 34 bis Größe 48, aber Karin Joswig-von Bothmer nimmt längst nicht alles in Kommission, was ihr angeboten wird. Der Renner in ihrem Laden sind übrigens Schuhe - oft genug Modelle, die nur einmal getragen wurden und jetzt weit unter Preis zu haben sind. Ich kalkuliere mit fünfzig Prozent, gibt sie preis.
Im Angebot: Kinderund Umstandsmode
So handhabt es auch Gabriele Ulke, die gemeinsam mit Andrea Robbe auf der Kölnstraße einen Laden für gebrauchte Kinder-, Umstands- und Damenmode betreibt und außerdem Schuhe, Bücher und Spielzeug im Angebot hat. Bei ihr werden oft Berge von Sachen angeliefert, die von einem Kind stammen. Einbringer und Kundinnen gehören hier nicht unbedingt derselben sozialen Schicht an. Ich habe viele alleinerziehende Mütter in der Kundschaft, erzählt die gelernte Krankenschwester, die selbst drei Kinder hat. Alle drei Monate wechselt der Bestand komplett, erzählt sie, was nicht verkauft wurde, geht an die Besitzer zurück.
Gabriele Ulke setzt die Preise bewusst niedrig an: Wer hier rausgeht, soll das Gefühl haben, ein Super-Schnäppchen gemacht zu haben.
Dorothea Wischnewski hat ihr kleines Geschäft für Damenmode in der Kirchstraße Ende Mai eröffnet. Mit 54 Jahren hat die ehemalige Anzeigenberaterin den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Mehr als 1000 Teile in allen Größen, so schätzt sie, hängen und liegen auf 30 Quadratmetern Ladenfläche. Festbekleidung ist besonders gefragt, hat die frischgebackene Geschäftsfrau festgestellt. Sie betreibt das Lädchen aus Spaß an der Freud und muss nicht davon leben. Man lernt viele Leute kennen, außerdem habe ich Spaß an der Beratung, sagt Dorothea Wischnewski.
Die zahlreichen Kontakte schätzt auch Monika Wilk. Ihr Trödelladen Kinderey und Altertümchen im Schatten der Pfarrkirche St. Margareta ist Anlaufstelle für Sammler, die immer mal wieder hereinschauen. Bücher, Spielzeug, Hausrat, Nippes und Kleidung füllen die verwinkelten Räume bis unter das Dach, doch Monika Wilk, die das Geschäft vor über 16 Jahren eröffnete, weiß genau, wo was ist. Das ist hier wie ein überdachter Flohmarkt, sagt die Second-Hand-Pionierin, hier wird auch oft gehandelt wie auf einem Basar.
Gebrauchtes von antik
bis schrill
Karin Käubler hatte mit ihrer Sammelleidenschaft ihr Haus gefüllt, bis es fast aus den Nähten platzte. Testweise mietete sie einen Laden, in dem sie Dinge verkaufte, von denen sie sich leichten Herzens trennen konnte. Der gelernten Kosmetikerin war aber bald klar, dass sie Spaß am Verkaufen hatte und dauerhaft ein Geschäft führen wollte. Ostern 2004 eröffnete Wohn-Kult in der Wallstraße, wo Karin Käubler altes Glas und Porzellan, Lampen, Kleinmöbel und Nippes verkauft. Von antik bis schrill - alles was man will, lautet die Devise.
Alle 14 Tage dekoriert sie das Schaufenster um. Vor allem ältere Damen stöbern mit Hingabe im Geschäft und gönnen sich mal ein Mokkatässchen, eine Vase oder einen versilberten Sahnelöffel. Freitags ist geschlossen: da ist Karin Käubler auf Flohmärkten unterwegs, um für Nachschub zu sorgen.