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Mit viel Herzblut um die Patienten gekämpft

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Seit fast zwei Jahrzehnten lebt er nun schon mit seiner Familie in Köln - was aber nicht bedeutet, dass sich Professor Dr. Ernst Rainer de Vivie besonders gut in der Stadt auskennt, wie er selbst schmunzelnd anmerkt. Denn die langen Arbeitstage in der Klinik ließen bislang kaum Zeit für entspannte Streifzüge durch Lokale, Veedel und Ausstellungen. Trotzdem hat den gebürtigen Hamburger die lebensfrohe rheinische Lebensart so „infiziert“, dass er mit Ehefrau Antje der Domstadt auch im Ruhestand treu bleiben möchte, um sie dann erst „richtig zu entdecken“.

Ende des Monats legt de Vivie nach 18 Jahren als Direktor der Uni-Herzchirurgie das Skalpell für immer aus der Hand. Er gehe dennoch leichten Herzens, versichert der 67-Jährige, schließlich sei er schon zwei Jahre „über die Zeit“. Als Wunschnachfolger tritt Professor Dr. Thorsten Wahlers zum 1. November in seine Fußstapfen, so dass die kontinuierliche Arbeit gewahrt bleibt - was de Vivie ein Herzensanliegen war.

Die Bilanz seiner Ära, darunter allein 15 753 Operationen von ihm und seinem Team, lässt den scheidenden Chefarzt und passionierten Segler durchaus zufrieden zurückblicken. Mit jährlich rund 1400 Eingriffen unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine gelang es, die Operationskapazitäten um mehr als das Dreifache zu erweitern. Ausgebaut wurde ebenso das operative Spektrum: So operierte de Vivie zum Beispiel viele Kinder mit hochkomplexen angeborenen Herzfehlern. Die Kinderherzchirurgie, sagt der vierfache Vater, sei für ihn die größte Herausforderung gewesen, weil sie am meisten Kreativität erfordere. 1994 machte die Klinik mit der ersten Herztransplantation von sich reden. Bis jetzt wurden über 90 Herzen verpflanzt, und das Land hat Köln als Transplantationszentrum anerkannt. Um Patienten mit schwerer Herzschwäche retten zu können, gilt zudem der Einsatz von Kunstherzen als Standard, mit denen die Kranken oft monatelang leben, bis sich ihr eigenes Herz erholt hat oder ein Spenderorgan bereitsteht.

Neben den bemerkenswerten medizinischen Fortschritten, die heutzutage erfolgreiche Herzoperationen selbst bei 80- und 90-Jährigen ermöglichen, erfüllt de Vivie am Ende seiner beruflichen Laufbahn jedoch am meisten mit Befriedigung, dass - auf seine Initiative hin - derzeit in Köln das fünfte deutsche Herzzentrum entsteht. Dessen Einweihung Anfang 2007 wird für den Herzchirurgen gewiss zu jenen bewegenden Momenten gehören, wie er sie sonst eher am Krankenbett erlebt hat: „Wenn man Tage und Wochen verzweifelt um das Leben eines Menschen kämpft, die Hoffnung fast schon aufgegeben hat und derjenige dann doch die Augen aufschlägt.“