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Mitglied der „Iron Bulls“ im VisierRazzia bei Ex-Rockern

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Ort der Razzia: Hinter der blauen Tür beginnt das Reich der „Iron Bulls“. (Foto: Gauger)

Köln – Auf ihrer Internetseite ist von „geselligem Beisammensein“ und „Brüdern mit geradem Charakter“ die Rede. Gewalt sei kein Thema. Doch die Kölner Polizei sieht dies komplett anders und geht davon aus, dass es die Männer der „Iron Bulls“ mit dem Gesetz nicht ernst nehmen. Darum auch der ungebetene Besuch am Mittwochvormittag in den Räumen der ehemaligen Rocker in Humboldt-Gremberg.

Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchten das Clubheim der „Iron Bulls“, Wohnungen und Bordelle und nahmen zwei Männer (40 und 43) fest. Gegen beide wurde Haftbefehl erlassen. Die Vorwürfe: Menschenhandel, Zuhälterei und Raub.

Der 43-Jährige und sein 40-jähriger Komplize sollen mehrere Frauen über einen längeren Zeitraum auf den Strich geschickt haben. Die Frauen mussten in Wohnungsbordellen und Privatclubs anschafften, sagte ein Polizeisprecher. Die Einnahmen behielten die mutmaßlichen Zuhälter für sich. Auch sonst hatten die Frauen nichts zu sagen. Die Männer bestimmten ihren Tagesablauf, die persönlichen Kontakte oder wo sie sich aufhalten durften. Der 43-Jährige hatte die Frauen aus Osteuropa nach Deutschland und in die Schweiz gebracht. Wie eine Polizeisprecherin mitteilte, ist der 43-Jährige kein Mitglied der „Bulls“. „Er hält sich im Dunstkreis der Clubmitglieder auf und hat Kontakt zu den Personen der Gruppierung“, ergänzte ein Beamter gegenüber der Rundschau.

Die Ermittler werfen dem 40-Jährigen und einem 32-Jährigen zudem schweren Landfriedensbruch vor. Sie sollen mit weiteren 15 Angehörigen der Streetgang „Iron Bulls“ im Dezember 2011 in der Altstadt die Kneipe „Bei Marcel“ verwüstet haben. Mit Baseballschlägern wurden Tische, Stühle und Einrichtungsgegenstände demoliert. Auch ein Mitarbeiter des Lokals wurde attackiert und verletzt.

In der Altstadt-Kneipe verkehrten in der Vergangenheit häufig Personen, die der Rockerszene nahestehen. Mitglieder der „Hells Angels“ gingen dort ein und aus. Ein Ermittler sagte: „Es war die Stammkneipe der Hells Angels.“ Auch die einstige Unterstützergruppe der „Angels“ – die „Red Army Cologne“ – war dort häufig zu Gast. Hintergrund des Überfalls war offenbar eine Vergeltungsaktion gegen die „Red Army Cologne“.

Einen ähnlichen Vorfall gab es bereits im April 2010. Damals stürmten zehn Rocker die Kneipe „Kulisse“ in der Altstadt. Auch hier waren die Angreifer mit Baseballschlägern und Schlagwerkzeugen bewaffnet. Das Mobiliar wurde stark beschädigt. Über die Hintergründe dieser Tat teilte die Behörde zunächst nicht mit.

Bei der Razzia stellten die Fahnder bei dem 40-Jährigen eine Maschinenpistole, Stichwaffen und Munition sicher. Die Mitglieder der „Iron Bulls“, die früher der Rockergruppierung „White Army Cologne“ angehörten, waren nicht erfreut über die Razzia und den Medienauftrieb. Journalisten wurden in Fäkalsprache beschimpft. Einer sagte: „Wir spielen in den Räumen Billard und helfen alten Menschen, die überfallen werden.“ Der Club habe sich von der Rockerszene los gesagt. „Die Polizei will uns fertigmachen“, so der Mann.