RHEIN-ERFT-KREIS – Ihr Idealmaß beträgt 20 bis 21 Zentimeter Länge bei einem Gewicht von 50 bis maximal 200 Gramm. Dabei sollte sie ohne Flecken sein und eine klare orange Farbe haben: die Karotte.
Tausende dieser Prachtexemplare zieht Thomas Coenen zurzeit aus der Erde. Bereits in der dritten Generation baut der Landwirt von den Belmener Höfen in Bedburg Möhren an. Der landwirtschaftliche Betrieb hatte seinen Anfang schon 1750, in Belmen. Dort musste der Hof jedoch 1988 dem Tagebau weichen. Heute erinnert nur noch der Name - Belmener Höfe - an die Vergangenheit. 2007 hat Thomas mit seiner Frau Martina Coenen den elterlichen Betrieb übernommen.
„Einen anderen Beruf möchte ich mir nicht vorstellen“, sagt er. Als „Vollblutlandwirt“ beschreibt er sich selbst. Schön sei besonders, dass er sein eigener Herr sei und sehen könne, was er schafft. Baute sein Vater noch auf acht bis neun Hektar Möhren an, so bewirtschaftet Thomas Coenen inzwischen alleine für den Möhren-Anbau 50 bis 55 Hektar. Der 38-Jährige hat Frühe- Sommer-, Herbst- und Wintermöhren im Anbau. Hinzu kommen weitere 70 Hektar Ackerflächen für den Zuckerrübenanbau und das Getreide.
Jetzt allerdings sind die Möhren reif. Die frühen Möhren wurden bereits im Juli geerntet. „Doch das lange und kalte Frühjahr und der plötzliche heiße Sommer haben ihnen ordentlich zugesetzt, die Ernte war entsprechend gering“, erinnert sich Coenen. Er errechnete einen Ernteverlust von rund 50 Prozent. Denn wegen des Tagebaus dürfen die Landwirte dieser Region kein Grundwasser abpumpen. „Und weil das Wasser der Stadtwerke einfach zu teuer ist, mussten unsere Möhren ohne zusätzliche Wasserrationen die heiße Sommerphase überstehen“, erklärt er.
Umso mehr freut er sich darüber, dass Herbst- und Wintermöhren geradezu prächtig gediehen sind. Geerntet wird bis in den Dezember hinein. Seine modernen Erntemaschinen ziehen und hebeln die Mohrrüben aus dem Erdreich. Dabei wird der grüne Strunk abgeschnitten, die Erde abgerüttelt, einzig die Mohrrüben wandern zunächst in den Bunker der Erntemaschine, bevor sie verladen und zum Hof transportiert werden. Dort erwartet sie erst einmal ein Vollbad. Bis zu zehn Minuten lang werden die Karotten gewaschen, gerüttelt und sortiert.
Zu große Möhren, Bruch und fleckige Karotten werden aussortiert. Nur die „Bilderbuch-Mohrrüben“ verlassen in Großraumkisten zu je 650 Kilogramm den Hof, sechs Tage pro die Woche, wöchentlich 24 Kisten. Thomas Coenen beliefert ein Verpackungsunternehmen im Nahbereich, das die Möhren abwiegt und in haushaltsgerechten Portionen direkt an den Einzelhandel liefert.
Mitte Oktober hat Coenen zudem damit begonnen, seine Lagerhalle mit Mohrrüben zu füllen. Ungewaschen, quasi direkt vom Feld, werden die Möhren dort in Großraumkisten bis zu einer Höhe von über sieben Metern bei 0,5 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent gelagert - insgesamt 1200 Kisten. In einem weiteren Kühlhaus lagern im Winter weitere 600 Kisten bis Ende April. „Hier bleiben die Möhren bis ins Frühjahr hinein frisch“, erklärt Coenen.
Zusätzlich legt Thomas Coenen aber auch so wie schon sein Vater und sein Großvater zwischen Anfang Dezember und Ende Januar eine Möhren-Miete auf dem Feld an. Dort werden die frisch geernteten Möhren in Stroh gebettet und mit sehr viel Erde und Folie gegen den Frost geschützt. „Damit sich keine Gase unter der Folie stauen, wird sie an mehreren Stellen aufgeschlitzt“, erklärt Coenen das Geheimnis.
Und trotz der vielen Möhren, mit denen Thomas und Martina Coenen zu tun haben, stehen sie bei ihnen fast täglich auf der Speisekarte. „Unsere Möhren hier in Bedburg schmecken aufgrund des Lössbodens besonders lecker und süß“, weiß Thomas Coenen zu berichten. Nicht nur an der Kennziffer, sondern auch an der Farbe, der Form und dem aromatisch-süßen Geschmacks glaubt er seine Möhren in jedem Supermarkt sofort wiederzuerkennen.
