Köln - Der Marokkaner Youssef Mokhtari hat den Scherzseines Trainers Uwe Rapolder vom 1. FC Köln ernst genommen und einenAufsatz über Altruismus, Egoismus und soziale Kompetenz verfasst."Ich wollte alles richtig machen und bin zum Depp geworden", schreibtder 26-jährige Fußball-Bundesligaprofi in seinem am Montag im Kölner"Express" veröffentlichten Aufsatz. "Es tut mir Leid für die Jungsund die tollen Fans! Kein Wunder, dass die Stimmung im Stadion undnatürlich auch in der Kabine mies war."
In der 69. Minute des Heimspiels am Samstag gegen Schalke 04 (2:2)war er beim Stande vom 2:1 zum Südenbock geworden, als er allein aufden gegnerischen Torwart zulief und gegen das Außennetz schoss, stattseine freistehenden Teamkollegen Lukas Podolski und Matthias Scherzanzuspielen. "Ich hatte den Matchball und habe ihn vergeben. Denn ein3:1 hätten wir wohl über die Zeit geschaukelt", so Mokhtari, der inder Schlüsselszene seine beiden Mitspieler nicht gesehen haben will:"Wäre es so gewesen, hätte ich natürlich abgespielt." Denn: "Wer michgenau kennt, weiß, dass ich kein egoistischer Mensch bin."
Er habe sich am meisten über diesen Blackout geärgert. "Ich habeschlecht geschlafen und schlecht geträumt", schreibt Mokhtari.Demoralisieren will er sich durch diesen Faux pas aber nicht lassen."Allerdings bin ich kein Mensch, der durch diese Sache einknickt. Ichsage mir: 'Mokhi, jetzt erst recht'." Er werde nun wieder aufstehen,kämpfen und auf seine Chance hoffen. "Ich will meinen Fehler wiedergutmachen", kündigte Mokhtari an und fragte am Ende seines Aufsatzes:"Und ist das nun egoistisch?"
Nicht beruhigen konnte sich jedoch Kölns Präsident WolfgangOverath über diesen kapitalen Schnitzer. "Wir machen alle Fehler.Aber diesen Fehler darfst du nur einmal machen. So etwas geht nicht,so was ist unmöglich", ereiferte sich der ehemalige Nationalspielerim "Express". "Das war reiner Egoismus. Wenn der das bei mir in derMannschaft gemacht hätte, hätte er das nicht überlebt." Er bewunderedie mitgelaufenen Scherz und Podolski, "dass sie so besonnen reagierthaben". Mokhtaris Erklärung, die beiden Kollegen nicht gesehen zuhaben, lässt er nicht gelten: "Wenn er die anderen nicht sieht, ister kein guter Spieler." (dpa)
