Keine Blumen, keine Kerzen: Am Fundort der Leiche des kleinen Anton deutet gestern nichts auf das schreckliche Verbrechen am Schulzentrum in Schönenberg-Kübelberg in der Westpfalz hin. Nur zwei Meter vom Chemie-Übungsraum entfernt wurde der vermutlich mit Pflastersteinen erschlagene Siebenjährige in der Nacht zum Dienstag an einer Böschung entdeckt - frische Erde bedeckt jetzt die blutgetränkte Fundstelle. Auch wenn Anton nicht Schüler des Erich-Kästner-Schulzentrums war, ist die Betroffenheit groß.
Und dabei hat die Nachricht, dass der Junge möglicherweise von seinem eigenen Bruder erschlagen wurde, die rund 1000 Schüler an diesem Morgen noch nicht erreicht. Schulleiter Michael Jochum hat sich mit seinen Lehrerkollegen gegen Kerzen und Blumen am Fundort entschieden, „um voyeuristische Tendenzen zu vermeiden“. An einem anderen Ort an der Schule solle aber noch ein Platz zum Gedenken an den Siebenjährigen errichtet werden, der auf die rund zwei Kilometer entfernte Grundschule ging. Das Schulzentrum ist bei den Grundschülern ein beliebter Spielplatz.
Anton stammte aus einer russischen Aussiedlerfamilie, die erst vor wenigen Jahren nach Schönenberg-Kübelberg kam. Die Familie habe zurückgezogen gelebt, sagen Anwohner: Sie sind einerseits erleichtert, dass die Tat offensichtlich schnell aufgeklärt wurde. Das Entsetzen ist aber groß, dass einer der beiden Brüder mit dem Verbrechen zu tun haben soll. Der Junge wurde mit Haftbefehl festgenommen, weil an seiner Kleidung Spuren vom Blut Antons gefunden wurden, wie ein DNA-Test ergab. Der 14-Jährige bestreitet eine Beteiligung. Doch die Staatsanwaltschaft bleibt dabei: Alle Indizien deuten auf ihn. Derzeit sitzt er in einer Jugendstrafanstalt in Untersuchungshaft.
Der Verdächtige hatte bis vor kurzem das Erich-Kästner-Schulzentrum besucht. Um seine Deutschkenntnisse zu verbessern, wechselte er aber an eine andere Hauptschule. Eine ehemalige Mitschülerin beschreibt ihn als „sehr ruhig“. Sie könne sich nicht vorstellen, dass er seinen eigenen Bruder getötet hat, meint das Mädchen. So ruhig sei eine Pause noch nie gewesen, sagt ein anderer Schüler. Das Verbrechen liege wie „ein Schleier“ über dem Gebäude.
Auch wenn die Familie des mutmaßlichen Täters in der Gemeinde kaum bekannt ist, der getötete Junge hatte seit seiner Einschulung an der Grundschule einen „lieben, freundlichen und umgänglichen Eindruck“ gemacht, sagt Schulleiter Karl Heinz Mootz. Zusammen mit seinen Kollegen habe er versucht, den 330 Schülern die Tat näher zu bringen. „Doch wir sind selbst genauso bestürzt und hilflos.“
In einer kleinen Kneipe an der Hauptstraße hat sich dagegen schon die Gewissheit breit gemacht, dass der Festgenommene der Täter ist. Als die Nachricht kommt, dass der 14-Jährige die Tat abstreitet, meint ein Gast am Tresen: „Die Sache ist doch hundertprozentig.“ (dpa / ap / rzp)
